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Schilder und Markierungen


Schilder sind Oberflächen, die Botschaften übermitteln oder eine Signalfunktion erfüllen sollen.

Markierungen sind Oberflächenbehandlungen, die Steuer- oder Leitfunktionen haben und damit Schildern ähneln.

Werbetafeln (billboards) und Reklameposter gelten als Schilder und werden als solche in dieser Kategorie behandelt.

Graffiti gelten – unbenommen Sinn oder Unsinn, message oder Kontext der jeweiligen tags, pieces, Parolen, Schmierereien oder Inschriften – als Markierung und also als Oberflächenbehandlung. Weil Graffiti die Kategorien transzendieren können, werden zuweilen Beispiele von Verfremdung oder Übermalung (etwa von Werbetafeln), auch anderen Kategorien zugeordnet, etwa der > Forschungsgruppe Materialermüdung bzw. der dortigen Sub-Kategorie > Verbotene Graffiti NAZI/Porno.

Auf dieser Seite werden Musterbeispiele erratischer Schilder- und Markierungsbeobachtung gezeigt. Die gezeigten "Hitler"- und Hakenkreuzschilder sind außerdem der > Beobachtungsgruppe Swastika zuzuordnen. Aufgrund des hohen Distinktionsgrades solcher Schilder wurde zusätzlich eine besondere Seite eingerichtet (> Das Hakenkreuz als umsatzfördernde Maßnahme).

Das Potential für Abweichungen im Schilderbereich ist hoch. Ein fehlender Buchstabe oder ein "lustiges" erratum sind relativ simple Kriterien, sollen hier aber dennoch Berücksichtigung finden.

Schließlich werden eigentlich fehlerfreie, auch handgeschriebene Schilder sowie Aufkleber und Poster dokumentiert, die aus unterschiedlichen Gründen die Aufmerksamkeit des Architekturkritikers auf sich gezogen haben. Ein einfaches Kriterium hier ist die Seltsamkeit der jeweiligen Objekte.
U8-Alexanderplatz
Berlin, 2002
Zerfall ...
und Ordnung
Michael-Kirch-Straße
Berlin, 2003
Langstraße
Zürich, 2004
Kryptik ...
und Kopfstand
Piazza Ignazio
Rom, 2004
Das Problem des leidigen Doppel-S , das in Deutschland immer auch an die verbrecherische Nazi-Organisation erinnert, wurde hier – politisch korrekt – gelöst.

Rheinpark, Köln 2003
Einfach "schöne Schilder"...

Die Beobachtung von Schildern und Markierungen ist eine Aufgabe, die keinen erkennbaren praktischen Nutzen zeitigt, jedoch ein hohes Maß an "geistiger" Befriedigung zu verschaffen mag. Zudem wird durch diese Arbeit die Beobachtungsfähigkeit derjenigen geschärft, die sich ihr hingeben.
Die Dartsellung der Botschaft wurde grafisch korrekt umgesetzt, nämlich aufsteigend.

Leipzig, 2000
Präzession politischer Propaganda

Rechts: Ablösung und Übermalung. Während erstere durchaus noch irgendwelchen Naturkräften geschuldet sein mag, kann letztere definitiv menschengemachter Einwirkung zugeschrieben werden. Neben neuerdings auch künstlerisch konnotierter Übergriffe auf die Botschaft des Schildes wird sich in Deutschland immer wieder gern – und gern immer wieder falsch verstanden – des Herrn Hitleradolf bedient.

Untere Reihe: Rede mit Antwort – Die Macht gehört dem, der zu geben vermag und dem nicht zurück gegeben werden kann. "Gemeinsam für Deutschland" – Bärte, Satanisches, Vampirzähne, ein Hakenkreuz. DAS geht allerdings zu weit und wird deshalb angegriffen (Im Gegensatz zu dem "lustigen" Hitlerbart im oberen Bild, der ja dasselbe "Falsche" sagt). Weitere Beispiele für die grafische Abwehr von Hakenkreuzen > hier.

Alle aus dem Bundestagswahlkampf 2002, gesehen in Berlin
> Der deutsche Bart

Der Bartmann, der uns im 20. Jahrhundert am meisten beschäftigt hat, hieß Adolf Hitler. Bertholt Brecht schrieb:

Adolf Hitler, dem sein Bart, ist von ganz besond'rer Art.
Kinder, da ist etwas faul, so ein kleiner Bart, und so ein großes Maul ...

Das Hitlerbärtchen, der Führerbart, oder – wie er auch genannt wird – der deutsche Bart, es handelt sich um nur wenige Zentimeter Gesichtshaar, und doch repräsentieren sie das bodenlos Böse. Der Hitlerbart ist die wirkungsmächtigste Anordnung von Gesichtsbehaarung, die die Welt je gekannt hat. Sie überwältigt jeden, der sie nur ansieht, wie die hier dokumentierten Übermalungen beliebiger Postergesichter zeigen.
Verkaufsfördernde Maßnahmen

Mehr als die Mauer, die sie trägt, ist die Werbung selbst eine Mauer, eine Mauer aus funktionalen Zeichen, gemacht um decodiert zu werden, aus Zeichen, deren Wirkung sich in der Decodierung erschöpft.

Rechts: Berlin 2002

Ganz rechts: In dieser Matratzenwerbung fließt das Nationalistische ins Verkaufsfördernde (hinein).

Berlin, 2009
Vielleicht ungewollt, doch eindeutig sexistisch konnotiert ist dieses Plakat. Zudem fehlt die Dativanzeige im Plural: "Vermietung/Verkauf von (...) Wohn- und Geschäftshäuser"

Berlin-Friedrichshain, 2003
Diese seltsame Schönheit würzt ein riesenhaftes Döner Kebab mit einer Substanz, die man ob ihrer Darstellung durchaus für Zaubersalz halten kann.

Berlin-Kreuzberg, 2007
Das Hakenkreuz als
umsatzfördernde Maßnahme

Tatsächlich sind gewisse asiatische Lebensmittel mit einem linksdrehenden Hakenkreuz gekennzeichnet, was bedeutet: Die entsprechenden Produkte sind strikt vegetarisch und von strenggläubigen Buddhisten bedenkenlos zu verwenden. Folgerichtig finden sich solche Kennzeichnungen auch an Geschäften, die dergleichen verkaufen.

Bilder rechts: Seoul/Korea, 2005
Neben der Verwendung der Swastika als Symbol des Wohlergehens, der Reinheit und des Glücks verbreitete sich das Hakenkreuz in Asien Ende der 1990er auch als Marketingelement unter direkter Bezugnahme auf die Person Adolf Hitlers und auf das "Dritte Reich". Im Bild rechts: "HITLERs' CROSS" in der indischen Großstadt Mumbai (vormals Bombay, Indien 2006). Das Lokal wurde inzwischen umbenannt.

Aufgrund des hohen Distinktionsgrades solcher Schilder wurde in der Kategorie Schilder und Markierungen zusätzlich eine gesonderte Seite zum > Hakenkreuz als umsatzfördernder Maßnahme eingerichtet.
Es ist bekannt, dass in Südamerika der Name "Hitler" einen dezidiert positiven Beiklang haben kann, eine Tatsache, die ganz und gar nicht im Widerspruch zu einer Werbewirksamkeit steht, auf die der Betreiber der hier links gezeigten "TAQUERIA HITLER" mglchws spekuliert.


Guatemala, 1995
Ob ähnliche Überlegungen bei der Namensgebung des "Adolf's Snack" eine Rolle spielten, konnte bisher nicht verifiziert werden.

Brandenburg, 2002
"O edles Kreuz der Deutschen ..."

Auch im außerdeutschen und nicht-nazistischen Zusammenhang ist das Hakenkreuz ein beliebtes Zeichen, dass Glück und Erfolg verheißen und Synergie und Dynamik symbolisieren soll. Jedoch wurde es als solches früher häufiger verwendet als heute. Doch ist davon auszugehen, dass es auch in der Anwendung als Glückssymbol kaum jemals ganz verschwinden wird. Beispiele für das Aufscheinen von Hakenkreuzen und Hakenkreuzähnlichen in eindeutig nicht politisch gedachten Verwendungen finden sich > hier.

Rechts: Mailand, 2003
Am Gebäude der Berliner Oberfinanzdirektion in der Otto-Suhr-Allee 48 ist ein Nummernschild an die Stelle des Hakenkreuzes getreten. Die Aufnahme stammt von 2005. Die Kombination wurde von späteren Institutsmitarbeitern jedoch bereits Anfang der 1980er Jahre beobachtet. Im Jahr 2010 existiert sie unverändert.
Dass "Designlösungen" unbeabsichtigt zu Hakenkreuzen oder hakenkreuzähnlichen Mustern führen können, wird umfassend in der > Beobachtungsgruppe Swastika dokumentiert.

An der Fassade des Café Augenblicke des Jesus Center e.V. auf der Ostseeinsel Rügen versuchen helfende Hände versuchen, ein Hakenkreuz zu formen.

Aufnahme von 2002
Auch das Logo einer Hilfsorganisation für den von einem schweren Erdbeben heimgesuchten karibischen Inselstaat Haiti zeigt Hände, die sich zu einer hakenkreuzähnlich Struktur zusammenfinden.

2010

Fußwegschild "Fußgänger"

In der Bundesrepublik wurden Ende der 1970er-Jahre die Fußwegschilder mit dem Motiv "Mann und Mädchen" gegen solche mit dem Motiv "Frau und Mädchen" ausgetauscht.

Die ursprünglichen Motive sind noch zu sehen in Wien (2001), Helsinki (2004, ohne Hut) und in Budapest (2002).

Bemerkenswert ist, dass – obwohl es offenbar kein einheitliches Design gibt und die Personen nach links, rechts oder sogar vom Betrachter weggehen – es vielfach so aussieht, als ginge das weibliche Kind voran und "führte" den Mann.
Gespenst eines Fußgängerschildes mit dem "Mann und Mädchen"-Motiv in Brandenburg (ganz rechts, von 1998)

Auf dem Gespensterschild unbekannter Herkunft hier rechts sieht es allerdings so aus, als zuckele das Kleinkind, auch hier ein Mädchen, hinterher.
Amsterdam zeigt im Jahr 2008 ein beinahe geschlechtsneutrales Piktogramm (rechts). Tatsächlich ist das Schild aber nur beinahe geschlechtsneutral. Von zehn dazu befragten Instituts-Mitarbeitern sagten befanden neun, dass es sich bei dem Kind um einen Jungen handelt. Nur ein Mitarbeiter sagte, es handels sich um die geschlechtsneutrale Abbildung eines Kindes.

Daneben zwei Schilder mit dem Motiv "Frau und Mädchen", ganz rechts in "naturalistischer" Gestaltung (Weimar 2006), in der Mitte als Piktogramm (Köln 2004).
Gespenster von Warn-, Hinweis- und Verkehrsschildern

Rechts: auf einem ehemaligen britischen Militärgelande in Berlin-Gatow 2003

Ganz rechts: Rom 2004

Das leere Schild in der unteren Reihe stand im Jahr 2007 im Tiergarten in Berlin. Die Herkunft des "Achtung AUSFAHRT"-Schildes ist unbekannt. Es wurde dem Institut im Jahr 2007 per E-Mail übersandt.
Weitere Verkehrsschilder

Rechts: Berlin-Mitte 1997

Ganz rechts: Die Herkunft dieses Wegweisers ist unbekannt. Es wurde dem Institut im Jahr 2009 per E-Mail übersandt.
La Linea

Fahrradwegmarkierung auf der Lichtenberger Straße am Platz der Vereinten Nationen

Berlin 2003
Handgeschriebene Schilder

Der Charme handgeschriebener Schilder ergibt sich aus der Einzigartigkeit des einzelnen Schildes und der daraus resultierenden Vielfalt.

Rechts: Berlin-Mitte 2004

Ganz rechts oben: "Eternal Justice"
Berlin-Mitte 2002

Darunter: gesehen auf einem Flohmarkt in
Berlin-Friedrichshain 2003

Ganz unten: Das Schild "HIER IST KEIN HUNDECLOH" wurde dem Institut im Jahr 2009 per E-Mail ohne weitere Angaben übersandt.

"Cafe im Grenzbereich"

Berlin-Kreuzberg 2002
"Home of Chicken"

"AMERICAN WESTERN SALOON – Home of Chicken" in den "Fontane-Stuben"

Berlin-Reinickendorf 2004
Hinweis an der Cora-Berliner-Straße

Der Wegweiser zum Aussichtspunkt sowie zum WC ist mit einer grafischen Darstellung des sich auf der gegenüberliegenden Seite befindlichen Denkmals für die ermordenten Juden Europas gefasst.


Berlin-Tiergarten, 2008
Diverse Schilder ohne weitere Angaben
,,, und weiter geht's.
Eiscaféschild, Berlin-Mitte, 2003
Schild am ehemaligen Warenhaus Rudolph Hertzog (Berlin-Mitte, 2006, rechts: 2010)
Plakatgespenst "Meditat..." Hamburg, 2002
Berlin, 2011
Beelitz, 2011
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