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Kritik der Oberfläche


Die erratische Kritik der Oberfläche ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer wirklichen Architekturkritik.

Das Wesen der Oberfläche ist ambivalent. Eine Oberfläche kann eine Oberseite sein, doch ebenso eine Unterseite. Was abweisend erscheint kann durchlässig sein. Dennoch ist Oberfläche immer auch Grenze und Begrenzung.

In der erratischen Kritik der Oberfläche wird der Begriff der Oberfläche noch weiter gefasst. So sind etwa > Schilder Oberflächen mit mit zum Teil Funktionen, die ähnlich den Funktionen von > Territorial- oder Begrenzungsarchitektur sein können (z.B. bei Stopschildern). Das gilt ebenfalls für > Markierungen, die Steuer- oder Leitfunktionen erfüllen sollen und damit Schildern ähneln. Selbstverständlich beschränken sich die Funktionen von Schildern nicht auf diese Aspekte, doch sind sie für unsere Untersuchungen von Bedeutung. Schilder als Träger von Botschaften, die über das Regulieren, Markieren, Abgrenzen hinausgehen, sind für die wissenschaftliche Erratik unter Aspekten der allgemeinen Seltsamkeit und einer speziellen Rätselhaftigkeit interessant (siehe Beispiel hier rechts unten).

> Fassaden sind erstrangige und für die erratische Kritik der Oberfläche protogene Oberflächen: Struktur, Muster, Mäander, Abnutzungsspuren, Graffiti, alles findet sich auf Fassaden. Schilder werden an Fassaden angebracht, Fassaden werden zu Schildern, zu Sinnbildern, Landmarken, Symbolen und Zeichen. Zeichen werden an der Oberfläche zu Ornamenten, wie die Swastika, die als fortlaufendes Zierelement an einer Fassade, einem Geländer oder Zaun erscheint. Wo > Muster und Mäander Selbstähnlichkeit, Wiederholung und Serialität anzeigen, ist aus einem erratischen Blickwinkel Abweichung, Unterbrechung, Fehlentwicklung nah.

Ebenso kann das Hakenkreuz "zufällig" auftreten, etwa als Ergebnis besonderen Lichteinfalls oder als aus geometrischer Anordnung entstehendes Muster. Beispiele finden sich in der Kategorie > Territorial- und Sicherheitsarchitektur.

Häufig ist ein Hakenkreuz aber auch einfach auf die Wand geschmiert. In diesem Zusammenhang ist es bemerkenswert, wie sehr die Swastika ganz unterschiedliche Kategorien der Kritik der Oberfläche, weitere Bereiche der Architekturkritik und andere gültige erratische Disziplinen wie etwa die > Materialermüdungsforschung transzendiert. Diesem Umstand trägt die unermüdliche und nicht immer gefahrlose Arbeit der > Beobachtungsgruppe Swastika Rechnung.

Witterung und Licht lassen schließlich auch (im erratisch-architekturkritischen Kontext sogenannte) > Gespenster entstehen – Spuren, eigentlich Rückstands-, Abnutzungs- oder eben Nichtabnutzungsspuren, die von Zeichen oder Schildern hinterlassen werden.

"Camouflage"-Haus
Cuxhaven 2003
Palast der Republik
Berlin 2004
Bodenkachelmosaik in der Akademie der Wissenschaften
Berlin 2003
Bodenkachelmosaik Wohnhaus
Rom 2003
kryptisches Schild
Zürich 2004
Durch Alltagsverrichtungen, in diesem Fall durch die haushalterische Praxis, eine Decke zum Lüften "rauszuhängen", wird die ideale Gesamtästhetik einer Fassadenoberfläche gestört.

Berlin 2005
"Photographiere mit Agfa"-Werbung (oben 1991)
und als Gespenst (unten 1993)

Hermannplatz, Berlin
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