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Ruinen/Ruinenwert-Theorie

Zur Planungsphase der angestrebten > "Welthauptstadt Germania" gehörte die von Speer und Hitler aufgestellte Ruinenwert-Theorie. Diese besagt, dass die Archäologen der Zukunft in der Lage sein sollten, eine Vorstellung von Größe und Bedeutung einer vergangenen Kultur aus den Ruinen herzuleiten, die von dieser Kultur hinterlassen wurden. Die wahre Bedeutung einer Architektur wird also über das definiert, was von ihr in einer fernen Zukunft übriggeblieben sein wird.

Als Beispiele dienten die architektonischen Hinterlassenschaften vorzeitlicher Baukunst wie Stonehenge, südamerikanischer Hochkulturen, der griechisch/römischen Antike und sogar die Pyramiden, obwohl es sich bei den Pyramiden eigentlich nicht um Ruinen handelt.

Speer und Hitler konnten ihre Ideen nicht wirklich verwirklichen, was nicht bedeutet, dass sie keine Ruinen hinterließen. Die sahen nun allerdings ganz anders aus. Zwei allgemeiner bekannt gewordene Architekturkritiken stellen eine Verbindung her zwischen Zerstörung und Tod einerseits und Architektur andererseits. Beide stammen von recht bekannten Engländern, und beide beziehen sich auf Deutschland: Graham Greene, der berühmte Romancier, sagte über das neuerbaute Nachkriegs-Bonn, die Hauptstadt der Nachkriegs-Bundesrepublik, es sei nur halb so groß wie der Chicagoer Zentralfriedhof, dafür aber doppelt so tot. Charles, Prince of Wales, erfreute jeden wahren Architekturkritiker mit der Bemerkung, die englischen Nachkriegsarchitekten hätten London schlimmer entstellt als der Blitz, die Bomber der deutschen Luftwaffe.

Am Beispiel zerstörter Architektur zeigt sich ein morbider Aspekt der erratischen Architekturkritik. Das Gefühl für die verrinnende Zeit bedarf eines Verständnisses für den Raum, in dem sie verrinnen soll. Die Idee des Maßes ist letztlich eine Projektion des Geistes, der Zugriff erlangen will auf das immer Ferne, sich stets Entziehende, das Unerreichbare, welches die Zukunft ist, und damit der Tod.

Die Erratische Architekturkritik versucht, die Ruinenwert-Theorie auf jegliche Architektur anzuwenden. Als hilfreich und ergiebig erweist sich die Beschäftigung mit tatsächlichen Fall-Beispielen, also echten Ruinen. In dieser Weise schreitet die erratische Architekturkritik beispielhaft voran auf dem Weg hin zu einer wahrhaften Kritik von Architektur, deren Sprache nicht nur die Sprache der Geometrie ist, sondern auch die einer Zufälligkeit und Zerstörung, einer Ordnung des Zerfalls.
im Erzgebirge 2002
Antike Ruine in einem Wohngebiet
Tel Aviv 2005
Ruine einer Hafenanlage
Hamburg 2003
Montevideo/Uruguay 2007
Brasilia/Brasilien 2007
Berlin-Kladow 2008
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