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Anti-Graffiti-Graffiti

Schneller als gewöhnliche und häufiger als pornografische Graffiti werden faschistische Parolen oder Nazi-Symbole angegriffen, bzw. wird versucht, solche Zeichen durch Verfremdung oder Übermalen unkenntlich zu machen. Sicher verschwinden viele Zeichen und Parolen hinter Übermalungen, die etwa ein Hausmeister vornimmt, bevor sie überhaupt von einer Öffentlichkeit wahrgenommen werden können.

Bei der Übermalung etwa eines auf eine Hauswand geschmierten Hakenkreuzes handelt es sich um den Versuch, es verschwinden zu lassen, eine neutrale Oberfläche (wieder) herzustellen. Das ist nicht weiter bedauerlich. Aber nicht jeder Versuch, ein unerwünschtes Zeichen loszuwerden, ist erfolgreich. Es kommt vor, dass sich das übermalte erneut zeigt. So mag die überdeckende Farbschicht zu dünn aufgetragen worden sein, wo ein kräftig hingepinseltes Hakenkreuz ein ebensolches Übermalen notwendig gemacht hätte. Aber auch andere Fehlleistungen sind dokumentiert. In einigen Fällen wurden etwa Hakenkreuzschmierereien so übermalt, dass die Übermalung ein neues Hakenkreuz zeigt.

Zudem interessieren solche Graffiti, die verzerrt, umgedeutet, verwirrt, deren Bestandteile neu gemischt oder einfach durchkreuzt werden, aber trotzdem sichtbar bleiben.

Eine aggressivere Attacke auf ein unerwünschtes oder in unserem Sinn verbotenes Zeichen ist das Zerkratzen oder Herauslösen des Untergrundes. Ein seltener Fall, in dem ein in dei Wand gekratzter Davidstern ein Hakenkreuz attackiert, ist auf dieser Seite dokumentiert.

Ein Sonderfall von Anti-Graffiti sind Hakenkreuze, die in der Absicht verwendet werden, eine anti-faschistische Haltung ausdrücken, wenn also ein Hakenkreuz gezeichnet wird, nur um es gleich darauf durchzustreichen oder an einen Galgen zu hängen. Beispiele hierfür sind auf dieser Seite dokumentiert. Die einer solchen Verwendung eines Nazi-Emblems immanente Paradoxie führte erst kürzlich (2006) zu einem merkwürdigen Justizvorgang, als nämlich die Staatsanwaltschaft Stuttgart ausgewiesene Antifaschisten für deren Verwendung des Hakenkreuzes anklagte, obwohl dieses im Kontext eines bzw. als "Verkehrsverbots-schild", jedenfalls in eindeutig anti-nazistischer Absicht verwendet wurde. (Siehe Dokumentation > Vom Umgang mit verbotenen Zeichen).

Zu einem weiteren Paradox, dem versteckten exhibitionistischen Gebrauch verbotener (nicht nur NAZI-)Zeichen unter Brücken, hinter Bauzäunen, an abgelegenen Orten: Manches Graffiti entgeht seiner Übermalung oder Verfremdung allein dadurch, dass es an einer Stelle angebracht ist, die verborgen und unter Umständen nur seinem Schöpfer bekannt. Das Verschwinden solcher Zeichen, die Wiederherstellung der Oberfläche des verborgenen Ortes, verbleibt bei den Elementen, der Natur.

Lissabon ist nach Berlin die Stadt mit einem signifikant hohen beobachteten Aufkommen an Hakenkreuzen (und angegriffenen Hakenkreuzen). Bemerkenswert ist, dass die Beobachtung in Lissabon nur zeitlich punktuell erfolgte (viermal in sieben Jahren: 1997, 2000, 2002, 2004). Zudem ist Lissabon eine viel kleinere Stadt mit weniger Einwohnern als Berlin, das außerdem noch Hauptaufenthalt des beobachtenden Personals des Erratik Instituts ist.
oben: ein links- und ein rechtsdrehendes Hakenkreuz, auf gewöhnliche Art durchkreuzt. Darunter: zum "Kreuzkästchen" verfremdetes Hakenkreuz. Zu bemerken wäre hier, dass das ursprüngliche Hakenkreuz-Graffiti vermutlich als "Anhänger" an der im Motiv bereits vorhandenen Halskette des Models eingefügt wurde (Ausschnitt links unten). Berlin, 2004
von links oben im Uhrzeigersinn: bei diesem Hakenkreuz besteht höchste Wahrscheinlichkeit, dass es nur angebracht wurde, um sofort darauf durchkreuzt zu werden. Diese Annahme ergibt sich aus einer Augenschein-Vorort-Analyse der Kreidestrichstärken und der Dynamik, mit der gezeichnet wurde; das Durchkreuzen dieses hakenkreuzes wurde mit dem Zusatz "PEOPLE=SHIT" versehen, Berlin, 2001; antisemitische Zeichenparade, die auf einen andauernden lokalen Konflikt hindeutet (nicht dass derselbe Konflikt nicht anderswo auch und insgesamt bereits länger als dieser spezifische andauerte). Zu bemerken ist hier, dass zwar das Hakenkreuz (und sogar mehrfach) durch die bekannte "Kästchenverfremdung" angegriffen wurde, die in offenbar denunziatorischer Absicht angebrachten Aufschriften "Jude" sowie "FUCK OFF" und der Davidstern aber nicht. Wien, 1992; linksdrehendes Hakenkreuz einfach durchkreuzt; Schriftzug "VIVA ESPANA" mit Kreidespuren überwischt, Sevilla, 1987
Bei diesen durchkreuzten Hakenkreuzen und den Inschriften "Gegen NAZIS" bzw. "NAZIS RAUS" ist zu vermuten, dass sie jeweils von nur einem Autor stammen und in einem Arbeitsgang angebracht wurden. Berlin, 2001 links oben: zwei gegenläufig drehende Hakenkreuze und die Buchstabenkombinationen "TV" und "RR", angebracht mit Pinsel und weißer Farbe am S-Bahn-Viadukt Hackescher Markt in Berlin-Mitte. Die Hakenkreuze wurden mit gelber Farbe attackiert, vermutlich ebenfalls mit einem Pinsel. Dabei wurden die teils wenig schwungvoll ausgeführten Hakenkreuze anscheinend beiläufig angegriffen, quasi nur übersudelt, nicht mit gezielten Strichen angegangen. Hypothese: Bauarbeiter (1995); Das Hakenkreuz rechts oben wurde in der Absicht einer antifaschistischen Stellungnahme angebracht und im selben Arbeitsgang durchkreuzt. Berlin 2003; rechts unten: Aufwendige Kästchenverfremdung mit weiterer Verfremdung der Kästchenverfremdung. Dieses Gefüge war über 10 Jahre lang am Orte zu sehen, ohne dass es nennenswerte weitere Ein- oder Angriffe gegeben hätte. Nach Renovierungsarbeiten verschwand das Ensemble hinter der neuen Fassadenfarbe. , Berlin (Foto von 1991). Links unten: hier wurde ein ursprünglich mit grüner Farbe gezeichnetes in einem Kreis rechtsdrehendes Hakenkreuz mit schwarzer Sprühfarbe nachgezogen, um es anschließend durchzukreuzen und mit der Inschrift "Scheiß Nazis" zu versehen. Berlin, 2001
Hakenkreuz "am Galgen" als antifaschistisches Statement
Berlin-Kreuzberg, 1991
In dieser Gruppe sind zwei klassiche Anti-Nazi-Graffiti-Graffiti-Elemente zusammengestellt: das "Verkehrsverbotsschild" und der "Galgen". links oben: Bozen 2005; rechts daneben: das Hakenkreuz wurde an den "Galgen gehängt" und außerdem mit einem "Kothaufen bedeckt". Bemerkenswert ist, dass der offenbar zu dem Hakenkreuz gehörende oder zumindest mit ihm entstandene Schriftzug "Böhse Onkelz" nicht angegriffen wurde, Berlin, 2004; rechts unten: Keltenkreuz per Verkehrsverbotsschild und Triskele (dreiarmiges Hakenkreuz) per Galgen angegriffen, dazu "Anty Nazi"-Statement, Warschau 2004; links unten: komplexe Attacke auf zwei Hakenkreuze an ein einer Stahlstrebe der Aussichtsplattform des Flakbunkers Berlin-Humboldthain: "Looser", "Kreuzweise am arsch Lecken!!", "VATi WAHN", dazu per Galgen und Christenkreuz verfremdete bzw. attackierte Hakenkreuze (2004).
oben: Protokoll einer fortdauernden Asueinandersetzung. zuerst wurde das Anarchie-A-im-Kreis durchkreuzt und um ein danebengesetztes Hakenkreuz ergänzt. Danach wurde das Hakenkreuz durchkreuzt und weitere Graffiti gesetzt. Zudem wurde der Hakenkreuzmaler als "FooL" identifiziert. Budapest 1997; links unten: mehrfache Attacke (inklusive Kästchenverfremdung) auf ein linksdrehendes Hakenkreuz, Budapest, 1997
Scratching in Budapest (beide 1997): das obere der beiden Bilder zeigt ein durch Ritzungen attackiertes Hakenkreuz, das auf einem Stein in der Mauer der Burg angebracht war. Das untere zeigt einen über ein Hakenkreuz-Graffiti geritzten Davidstern, der selbst wieder durch ein geritztes Kreuz attackiert wurde.
von links oben im Uhrzeigersinn: per Hammer-und-Sichel-(inklusive-Stern-also-sowjet-kommunistisch) angegriffenes Hakenkreuz; per "Verkehrsverbotsschild" und Durchkritzeleien angegriffenes Hakenkreuz, darauf außerdem die Inschrift "BLACK POWER"; das Hakenkreuz in dieser Aufnahme stammt vermutlich aus demselben Arbeitsgang wie das es einschränkende "Verkehrsverbotsschild" und die anderen Graffiti. Die Annahme ergab sich aus einer Vor-Ort-in-Augenscheinnahme der Charakteristiken der Sprayfarbstriche; per Individualgraffiti attackiertes Hakenkreuz. (alle Lissabon, 2000)
per Individualgraffiti attackiertes Hakenkreuz Berlin, 2002
Das Zeichen einer Jugendkünstlergruppe aus Berlin-Kreuzberg, zweimal unterschiedlich ausgeführt, neben einem linksdrehenden durchkreuzten Hakenkreuz. Ausgehend von den Charakteristiken der Sprayfarbstriche ist zu vermuten, dass alle Zeichen in einem Arbeitsgang mit nur einer Spraydose angebracht wurden. 1994
links oben, rechts unten: zwei jeweils per rotem "Verkehrsverbotsschild" angegriffenes Hakenkreuz, dazu die Aufschrift "MATA NAZIS" (= Tötet nazis), links unten zusätzlich teilweise übermalt, durchkreuzt und mit der Aufschrift "FUCK" versehen. Daneben steht "A SE FELIZ (= sei glücklich), das Hakenkreuz links oben wurde mit schwarzer Sprühfarbe erneuert; rechts oben, links unten: mit diversen Hakenkreuzen, Keltenkreuz und "SS"-Runen verziertes Straßenmöbel, das außerdem die Aufschriften "EUROPE AWAKE", "SKINHEADS", "WHITE WOLF" und "KKK" trägt. Fast alle Zeichen sind durchkreuzt. (alle Lissabon, 2000)
Fassade eines Bierlokals in Berlin-Friedrichshain
(1998). Zwischen dem Inhaber der Wirtschaft, der seine Fassade frisch geweißt hatte, und Sprayern war es zu Auseinandersetzungen gekommen. Die Hakenkreuze sind angebracht worden, um sofort durchkreuzt zu werden, um den Eigentümer zu warnen, sich nicht "als Nazi aufzuführen". Auch der eher lustige Schädel mit den gekreuzten knochen signalisiert: Vorsicht!.
links oben: das Hakenkreuz wurde entweder mit zusätzlichen Elementen versehen (gut sichtbar am oberen Haken. Dazu gehört das Wort DANCA = tanze) – oder es handelt sich von vornherein nicht um ein Nazi-Hakenkreuz (vergleiche > Formation am Spreeufer). Was immer hier das Originalgraffiti war, es wurde mit silbernem "Verkehrsverbotsschild" angegriffen. Das "Verkehrsverbotsschild", das in Lissabon häufig verwendet wird, stellt einen effektiven Angriff dar. Das kraftvolle Durchkreuzen wie auf dem Bild rechts unten allerdings auch. Oben rechts zudem noch "MATA NAZIS", womit zugleich der Schriftzug "PRETO FORA" (=Schwarze raus) angegriffen wird.
links und rechts oben: zwei linksdrehende Hakenkreuze auf Geldautomaten. Das linke wurde durchkreuzt, beim rechten wurde ein Angriff ("Verkehrsverbotsschild") abgewaschen, ohne jedoch das Hakenkreuz selbst zu entfernen, das vermutllich aus besser haftender Farbe als die Farbe des Angriffs besteht oder bestand. Darunter "SieG HeiL" durchkreuzt. Daneben eine klassische Kästchenverfremdung sowie relativ ineffektives "hektisches Überskribbeln".
diverse Graffiti, darunter zwei auf unterschiedliche Weise kästchenverfremdete Hakenkreuze, an der Rückwand einer Gartenkneipe in Berlin-Friedrichshain, 2002
von links oben im Uhrzeigersinn: in Hauswand geritztes Hakkenkreuz, von dem sich nicht eindeutig sagen lässt ob es absichtlich oder zufällig entstanden ist. Durchkreuztes Hakenkreuz, versehen mit dem Slogan "PUTOS NAZIS" (=Nazipimpfe). Hakenkreuz und Davidstern auf einem Briefkasten. Berußung einer Fahstuhlkabinendecke: neben verschiedenen Namenszügen ein Hakenkreuz zwischen zwei Buchstaben ("S+R"), was – wenn als "E" gelesen – das Wort "sein" bedeuten kann.
rassistsische Graffiti in Berlin-Kreuzberg (2003): Hakenkreuz und "Kümmeltürke". Das Hakenkreuz wurd durchkreuzt, das Wort "Kümmeltürke" dagegen nicht. Die Ziffern- und Buchstaben-kombination dort ("17-- -F") stammt aus anderer Quelle.
zwei rechtsdrehende Hakenkreuze aus Berlin, 2001 (oben), 1994 (darunter)
auf dem Gelände des Gleisdreiecks, Berlin, 2006
von links oben im Uhrzeigersinn: weitere angegriffene Hakenkreuze und ein Keltenkreuz aus Lissabon (2002). Rechts unten: hier wurde das "MATA NAZIS" gegenoffensiv auf "NAZIS" verkürzt. Außerdem wurde hier mit dem aus Lissabon schon bekannten BLAU das Anarchie-A-im-Kreis angegriffen.
zwei in deutlich nicht affirmativer Absicht angebrachte Hakenkreuze, dazu weiter Schriftzuge, auf dem Gelände des Gleisdreiecks, Berlin, 2006 von links oben im Uhrzeigersinn: kaum sichtbare verwitterte Hakenkreuze links und rechts am Eingang zum Postamt. Durchkreuztes Hakenkreuz. "MONTIJO" ist ein Lissaboner Stadtteil, dessen Name hier unter Verwendung zweier Keltenkreuze geschrieben wurde. Die keltenkreuze wurden angegriffen, dazu kommt der Schriftzug "NAZI SKINS PA' FOR(C)A" (= Naziskins raus bzw. Naziskins an den Galgen). Links unten: Verwednung von Hammer und Sichel sowie Hakenkreuz in oppositioneller Absicht. "MUERTE AL ESTADO" (mit O als Hausbesetzerzeichen) = Tod dem Staat. Lissabon, 2000
links: durchkreuzte Hakenkreuze auf Säulen, dazu der nicht angegriffene Schriftzug "MOB 18". Rechts: aufwendig und präzise mit Kreide ausgeführtes und mit Doppelkreuzbalken versehenes Hakenkreuz, mehrfach angegriffen per Durchkreuzen und "Verkehrsverbotsschild", Barcelona, 2001
Kästchenverfremdung in einem Pissoir, dazu die Inschrift "Nazis töten, CDU verbieten", Berlin, 2000
Angriff auf ein Wahlplakat der CDU per Schnauzbart, Vampirzähnen sowie Hakenkreuz und Zeichen des Satans 666. Das Hakenkreuz ist blau durchkreuzt. Berlin, 2002
Zwei Hakenkreuze an einer Klowand, eines modifiziert, New York, 2008
Hamburg, 2006
Ein Beispiel dafür, wie man ein Hakenkreuz nicht angreifen sollte. Die Übermalung zeigt wieder ein Hakenkreuz. Die Parole dagegen wurde ordentlich übermalt. Berlin Westhafen, 1998
Ein Beispiel gewissermaßen für vorauseilende politische Korrektheit. Obwohl es sich um ein ganz und gar nazi-kontextloses Schild handelt, wurde hier nicht nur ein Anarchie-A-im-Kreis angebracht, sondern auch das Doppel-S ausgestrichen. Köln, 2002
Berlin-Rummelsburg, 2008
Griechenland, 2008 Italien, 2008
Puerto Madryn, Argentinien
Januar 2009
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