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Schultheiss in Kreuzberg

Jahrzehntelang war das Schultheiss ein Bier der – hauptsächlich Berliner – arbeitenden Bevölkerung. Diesen Ruf, der zumindest in früheren Zeiten durchaus ein Wettbewerbsvorteil war, hatte sich die Brauerei nicht zuletzt durch ihre außergewöhnlichen Sozialleistungen erworben, mit denen sie die eigenen Arbeiter von der Wiege bis ans Grab betreute (siehe dazu auch die > psychohistorischen Exkavationen und die > historischen Fotos und Postkarten).

Zu den Arbeiterbezirken gehörten in Berlin zunächst der Wedding, Moabit und selbstverständlich Kreuzberg. In den langen Jahren der Teilung der Stadt waren es eben diese Bezirke, in denen die meisten Schultheiss-Kneipen zu finden waren. Im Gegensatz zum Wedding und zu Moabit wurde aus Kreuzberg ein Bezirk der Bierschwemmen und Absturzkneipen, die zum Teil 24 Stunden am Tag geöffnet hatten. Kreuzberg kultivierte seit den 1960er Jahren einen Ruf als Anarcho-, Krawall- und Hausbesetzerbezirk, was sich später und nicht zuletzt in dem Gassenhauer "Kreuzberger Nächte sind lang" manifestierte (im Liedtext findet das Schultheiss allerdings keine Erwähnung).

In Kreuzberg befand sich eines der Stammhäuser der Brauerei, die sogenannte "Burg" am Viktoriapark, der auf dem namensgebenden Kreuzberg liegt. Dieser Berg ist von Kavernen durchzogen, in denen zu Zeiten des Betriebs der Brauerei Bier eingelagert wurde. Die "Burg" ist inzwischen abgewickelt und in Eigentumswohnungen umgewandelt worden.

Der Bezirk Kreuzberg wurde im Zuge der Bezirksreform des Jahres 2001 mit dem Bezirk Friedrichshain zum Großbezirk Friedrichshain-Kreuzberg zusammengelegt, eine Entwicklung, die auf den Zvedenborg-Seiten des Erratik Instituts nicht nachvollzogen wird. Hier bleiben die Bezirke Kreuzberg und > Friedrichshain getrennt. Dagegen wird nicht zwischen den alten Postzustellbezirken Kreuzberg 36 und Kreuzberg 61 unterschieden.

Seit Mitte der Nuller Jahre des 21. Jahrhunderts hat sich der Bezirk nochmals stark verändert. Im Jahr 2011 gehört Kreuzberg zu den Gegenden mit den höchsten Mieten in Berlin. Gaststätten und Restaurants bedienen eine jung-bürgerliche Klientel sowie Massen junger Touristen – das sogenannte Easy-Jet-Set. Diese Entwicklung hat das Verschwinden von Schultheiss-Kneipen weiter beschleunigt, obwohl auch festzuhalten ist, dass in sehr geringem Maße neue und "hippe" Lokalitäten dazukommen, die das Schultheiss an der Fassade führen.
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> Zum goldenen Hahn

Mariannen- Ecke Oranienstraße, am Heinrichplatz
Berlin-Kreuzberg, 2009

Während der Arbeit an der vorliegenden Dokumentation wurde unter anderem darüber debattiert, ob es sich bei einer Kneipe bereits um eine Eckkneipe handelt, wenn sich die Räumlichkeit innerhalb eines Gebäudes an einer Ecke desselben befindet, die Tür aber nicht unmittelbar an der Ecke gelegen ist, oder ob man korrekt nur von einer Eckkneipe sprechen kann, wenn die Kneipe durch eine an einer Ecke gelegenen Tür betreten wird.

Der Goldene Hahn ist allerdings in jedem Fall eine Eckkneipe.
Die Verschwundenen
Das Gasthaus Dietrich Herz gehörte als Speisewirtschaft und Pension jahrzehntelang zu den Kreuzberger Institutionen. Den ursprünglichen Ort im östlichen Ende der Markthalle am Marheinekeplatz musste die Wirtin im Zuge der Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen im Jahr 2007 räumen. Das an der Ecke Friesen- und Arndtstraße gelegene neue Quartier konnte die Stammkundschaft nicht aussreichend anziehen und wurde im Herbst 2008 geschlossen.

Berlin-Kreuzberg, 2008
"Schnitzel oder Sülze mit Bratkartoffeln 5,50" – das Ritter Stübl

Ritter- Ecke Alexandrinenstraße
Berlin-Kreuzberg (rechts 2007, in der Mitte im Februar, rechts im März 2009)
Oberbaum-Eck

Oberbaum- Ecke Bevernstraße
Berlin-Kreuzberg, 2008


2012 hat dieses Lokal aufgehört, ein Schultheiss-Lokal zu sein (noch nicht dokumentiert).

Links ein Szenenbild aus dem Film Mord am Meer von 2005, in dem noch eine weitere verschwundene Schultheiss-Kneipe zu sehen ist (Am Patentamt, hier unten).
Links: Der Schultheiss-Schriftzug ist ein Überlebenskünstler. Die Brauerei zog Schaukästen und Außenwerbung der Alt-Berliner Kneipe Gaststätte am Patentamt ein, nachdem der Wirt schon geraume Zeit kein Schultheiss-Kunde mehr gewesen war: "Wat soll ick'n beim Schultheesz koofen wenn ick's beim Türk'n um die Hälfte krieje?" (2003)

Nach einer Phase als Tucher-Pils-Kneipe Am Patentamt (Bild Mitte) sperrte das Bier- und Bratkartoffellokal im Jahr 2007 endgültig zu. Im Oktober 2008 wurde unter dem alten Namen neueröffnet. Es sah aus und roch als wie zuvor, nannte sich nun allerdings "Bar".

Das Bild rechts stammt aus dem Film Mord am Meer von 2005 und zeigt die südöstliche Straßenecke Gitschiner und Alexandrinenstraße von einem vorbeifahrenden Hochbahnzug aus.
Zur Haltestelle (des 140er-Busses)

Links im Jahr 2007. Zwei Jahre später ist die Haltestelle zur Alt Berliner Budike aufdediziert worden (interessanterweise sind die neuen Schilder nicht im Stil des Relaunches von 2008. Das freistehende Leuchtschild links im mittleren Bild ist ein 1980er-Modell). Das rechte Bild zeigt die Kneipe im Dezember 2011. Berlin-Kolorit ist weiterhin gefragt, das Schultheiss allerdings nicht mehr.

Manteuffel- Ecke Köpenicker Straße
Berlin-Kreuzberg
Häufiger bleibt Trostlosigkeit ...

Obwohl ausgestattet mit großzügigen Angeboten im sportlichen und sportkulturellem Bereich ("BILLARD", "ALLE SPIELE AUF GROSSBiLD BEI JEDEM TOR 1 SCHNAPS FREI", "Vereinsraum frei") bleibt das vormalige Hauptquartier des "Insel Buben Fan Club", des "Hertha BSC 1892 Fan Club", des "Skat Club Reiz An Berlin", der "Berliner oK Bären" und der "Kreuzberger Rommé-Bande" und – nicht zu vergessen – des "Ü100 TEAM BERLIN", einer Sportvereinigung Übergewichtiger, nun ungenutzt.

Petra's Holst

Eylauer- Ecke Monumentenstraße
Berlin-Kreuzberg, 2008
Zum alten Kameraden

Bärwaldstraße
Berlin-Kreuzberg, Juni 2009
Zum gemütlichen DICKEN

Wilhelmstraße
Berlin-Kreuzberg, September 2010
Schmales Handtuch
(bis Oktober 2007, rechts der Ort im Oktober 2008)

Zossener Straße
Berlin-Kreuzberg

Die ehemalige Schultheiss-Kneipe Zum Schwarzen Eber. Eine direkte Dokumentation wurde – obwohl dies problemlos möglich gewesen wäre – aus Gründen der Prokrastination niemals durchgeführt. Das Bild rechts zeigt einen Teil der ursprünglichen Situation. Es stammt aus dem YouTube-Filmchen eiens U-Bahn-Fans mit Aufnahmen aus den 1980er Jahren, das im Jahr 2008 gefunden wurde. Die Bilder inks und in der Mitte zeigen die Situation im Jahr 2007. Die Auslage erinnert an die Werbung eines Bestattungsunternehmens.

Prinzen- Ecke Gitschiner Straße
Berlin-Kreuzberg
"Aus Renovierungsgründen geschlossen". Und das für immer.

Zum alten Urban

Körtestraße
Berlin-Kreuzberg, 2008
An der Ecke Fidicin- und Friesenstraße gab es im Jahr 1923 (linkes Bild oben, bei einer Polizeirazzia gegen einen Ringverein) eine Patzenhofer-Kneipe.

Mindestens noch im Jahr 1986 existierte am selben Ort eine Schultheiss-Kneipe. In diesem Jahr wurde der Film Die Reise gedreht, eine Verfilmung des gleichnamigen Romasn von Bernward Vesper. In bedien Fällen ist der Name der jeweiligen Lokalität nicht zu erkennen.

Jetzt (Aufnahme von 2010) befindet sich dort ein Getränkehandel, immerhin noch ausgestattet mit einem Schulthiess-Schild.

Café-Wunderbar

Wrangelstraße
Berlin-Kreuzberg

linkes Bild: August 2010, rechts: August 2011. Die neue hippe Fassadenbemalung hat nichts mehr gerissen. Im Jahr 2012 ist das Café-Wunderbar verschwunden (noch nicht dokumentiert).

Die Neuen
respectbar

Reichenberger Ecke Lausitzer Straße
Berlin-Kreuzberg, Mai 2010
Es kommt eher selten vor, dass das Schultheiss den Sprung in die neue Zeit schafft. Hier existiert die "Proleten-Plörre" (Hipster-O-Ton) in Symbiose mit der in Kreuzberg erst in den 1990er Jahren aufgekommenen Caféhaus-Kultur.

MOLINARI & KO

Solms- Ecke Riemannstraße
Berlin-Kreuzberg, 2008
Die Gebliebenen
Die alte Schultheiss-Uhr in der Marheineke-Markhalle in Berlin-Kreuzberg – links vor dem Umbau im Jahr 2005, rechts nach der Wiedereröffnung 2008.

Schultheiss wird in der größtenteils auf Bio umgestellten Markthalle allerdings nicht mehr verkauft, obwohl es, da es dem Reinheitsgebot entspricht, doch recht eigentlich ein Bio-Lebensmittel ist.
> Henne (vormals Alt-Berliner Wirtshaus Konrad Litfin)

Die historische Kreuzberger Henne hat – zumindest äußerlich – bei Weitem die meisten Veränderungen durchgemacht, seit die Dokumentation von Schultheiss-Kneipen durch das Erratik Institut Anfang der Nullerjahre begonnen hat.

Waldemarstraße Ecke Leuschnerdamm
Berlin-Kreuzberg (Foto von 2006)
Zum goldenen Handwerk

links 2008, daneben und unten im Oktober 2010, im neuen Gewand. Der Wirt weiß, was sich gehört. Die Bratkartoffeln werden LKW-weise serviert.

Obentrautstraße
Berlin-Kreuzberg
Henkel-Stuben

Blücherstraße
Berlin-Kreuzberg, 2009
Bierangebot im Kuchenkaiser

Oranienplatz
Berlin-Kreuzberg, 2007
Zur gemütlichen Ecke im neuen Kleide des Marken-Relaunches

Großbeerenstraße
Berlin-Kreuzberg, Sommer 2008
Pinte

Hier wurde Wert auf Synonymität gelegt: Die "Gaststätte" ist ein "Bierlokal", dessen Name aus einem Wort besteht, mit dem Bierlokale und Gaststätten bezeichnet werden.

An der Ecke, neben dem Schriftzug "GROSSBILD-LEINWAND", ist der Schatten eines alten Schultheiss-Lager-Schildes zu erkennen. Das neue Schultheiss-Lager-Schild ist darüber (rechts ums Eck) zu sehen.


Bergfried- Ecke Wassertortraße
Berlin-Kreuzberg, 2008
Zur Mütze

Oranienstraße
Berlin-Kreuzberg, 2008

Prototypischer Schultheiss-Imbiss: Schrotti's Inn

Zossener Ecke Blücherstraße
Berlin-Kreuzberg, 2008
Brachvogel – Restaurant, Sommergarten, Minigolf

Brachvogelstraße
Berlin-Kreuzberg, 2008
Zum kleinen Mohr – Mohr? Moritzplatz? Get it?

Oft müssen sich Stammgäste und Personal die Beschwerden über die politische Unkorrektheit des Namens dieser alteingesessenen Lokalität anhören. Doch davin unbenommen buhlen sie unverdrossen um die Gunst englischsprachiger Gäste, denen man das feinherbe Schultheiss-Pilsener vom Fass verkaufen möchten.

Moritzplatz
Berlin-Kreuzberg, 2008
TUTTI-FRUTTI Table–Dance–Bar

Gneisenaustraße
Berlin-Kreuzberg, 2009

DUDEN-SCHÄNKE

Duden- Ecke Eylauer Straße
Berlin-Kreuzberg, August 2009
ECK-KNEIPE

Mariannenplatz
Berlin-Kreuzberg, Juli 2009

Das Bild hier rechts zeigt die ECK-KNEIPE in einem YouTube-Filmchen über die Kreuzberger Mail-Krawalle, vor dem Upgrade der Werbemittel auf Relaunchniveau von 2008.
ZUR KLEINEN Markthalle

Legiendamm
Berlin-Kreuzberg, September 2009
RESTAURANT CAFE Romi DEUTSCHE KÜCHE

Dudenstraße, Platz der Luftbrücke
Berlin-Kreuzberg, August 2009
Gitti's BIERBAR

Brückenstraße
Berlin-Kreuzberg, Oktober 2009
Stiege

Oranien- Ecke Luckauernstraße
Berlin-Kreuzberg, Oktober 2009

Links eine Aufnahme der Stiege aus dem Jahr 1981, aus dem Film Possession.
HASIR RESTAURANT

Adalbertstraße
Berlin-Kreuzberg, Dezember 2009
Pleonasmus oder Tautologie, bei der Namensgebung wurde hier jedenfalls doppelt gemoppelt. Quasi-historisch ist das Gemälde über dem Eingang zu dieser insgesamt wenig beschaulichen Kreuzberger Schultheiss-Kneipe.

Zum alten Zossen

Riemann- Ecke Zossener Straße
Berlin-Kreuzberg, 2008, ganz rechts 2009
Berliner Stadtkrug

Wrangel- Ecke Manteuffelstraße
Berlin-Kreuzberg, September 2010
BIERSTUBE

Reichenberger Straße
Berlin-Kreuzberg, Dezember 2011
Schultheiss – eine Marke überlebt (sich)
Irreguläre Schultheiss-Erscheinung an einem Zigarettenautomaten im Vorhof des Festsaal Kreuzberg

Skalitzerstraße
Berlin-Kreuzberg, Dezember 2009
Schultheiss-Schild im Sanitärbereich des Restaurants Edelweiss im Görlitzer Park. Im Lokal wird allerdings kein Schultheiss-Bier ausgeschenkt.

Berlin-Kreuzberg, Dezember 2009
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