> Seitenübersicht > Psychogeografie, -historie, -topografie
Psycholinguale Miniaturen, Sozio-Poetik, Stimmenhören


Die Textfragmente und Sprüche stammen größtenteils aus dem öffentlichen Raum,
zum kleineren Teil aus dem Fernseh.

Sie wurden gehört (in Berlin, soweit nicht anders angegeben), erinnert, aufgeschrieben und mitgeteilt von Institutsmitarbeitern und Listenbeziehern.

Die jeweils aktuell veröffentlichten Miniaturen können per Mailingliste bezogen werden. Dazu genügt es, eine > E-Mail an das Erratik Institut zu senden. Ebenfalls an diese Adresse schicken Sie, was Sie selbst mitangehört haben, und von dem Sie denken, es sei hier gut aufgehoben.

Die fetten Überschriften enthalten eine Ordnungszahl, das Datum der Veröffentlichung sowie den Titel der jeweiligen Miniatur.



80 – 220810 – Unterwegs II

Fahrgast: "Auf welchem Gleis fährt denn der Pendelverkehr zum Wannsee?"
Angestellte: "Ick kann ooch nich bis nach Charlottenburg kieken"

Privatparty in Hessen, zwei Typen unterhalten sich.
Der eine: "Hier, ich hätte vorhin fast deine Katze überfahren."
Der andere: "Das kannste aber echt nicht bringen!"


79 – 140610 – Weghören hilft nicht

Verkäuferin: "Wollnsewatt von uns're Ostereier koofen?"
Kunde:"Nö, hab selba zweee."
Verkäuferin: "Aber keene bunten ..."

Im Vorbeifahren gehört: " ... un' wenn ICK een Been verlier' muss ICK na'her damit rumloofen, wa! Is' ja wie wenn mir eener een Been abhackt. ICK muss denn damit rumloofen."


78 – 060610 – Nicht nur die ...

In der S-Bahn am Alex, zwei Studententypen: Er: "... und wie war Barcelona?" Sie: "Die haben da ein Beate-Uhse-Museum, dass sieht aus wie ein Dildo. Wie ein riesengroßer Dildo! Halb so groß wie der Fernsehturm, oder doppelt so groß."

Im TV: "Berlin ist kein Erholungsheim. Besonders die Kriminalität macht uns seit Jahren Probleme."


77 – 180510 – WE im Mai

Flohmarkt, Sonntag, 14h. Jungscher Typ zu seinem Kumpel:
"Hey, wir sollten einfach irgendwo total billig T-Shirts kaufen, die dann selbst
bedrucken und hier verkaufen."

Woanders, aber auch auf der Straße, eine junge Frau:
"Ich komm mir schon vor wie das Hirnschadenmädchen. Ich weiß schon wieder nicht, wie spät es ist."

Noch 'ne junge Frau, später, ruft über den Platz:
"Ich bleib hier stehn und geh in die Richtung."


76 – 250210 – Gute Fragen

Neulich bei der Grippeimpfung, Krankenschwester:
"Welchen Arm brauchen Sie denn heute noch?"
Patient: "Ach, eigentlich keinen."

Auf der Straße, ein etwa 8-jähriger Junge zu seinem Vater:
"Du Papa, wie seid ihr denn damals, als es noch keine Computer gab, ins Internet gegangen?"

Neulich im Subway-Sandwich-Franchise, Kunde:
"Habta ooch wat andret außa Stulln?"


75 – 210210 – Es spricht Berlin

U8, zwei kichernde Mädchen:
"Jaja, Französisch! Hässliche Sprache, aber schwer zu lernen ..."

McDonalds, Verkäuferin zu einem Kunden: "Normal ist jetzt Maxi."

Petriplatzfest. Ein Mitarbeiter des Unterweltvereins fragt einen offenbar interessierten Besucher: " ... und der Großbelastungskörper ist Ihnen ein Begriff?" Antwort: "Is' ma een Begriff? Na und ob! Sie sprechen mit ihn, Meesta, Sie sprechen mit ihn ..."


74 – 250109 – Geile Menschen

Mitte, beim Italiener, zwei (vermutlich) BWL-Studentinnen.
Eine liest vor: " ... also wird die Penetrationsstrategie hauptsächlich von amerikanischen Unternehmen angewandt, um schneller in den Markt einzudringen und Wettbewerber abzuschrecken ..." Die andere unterbricht: "Du-uh, Moment maal... Saaag maal? ... Was wa' noch mal Penetratio-oon?"

Prenzlauer Berg, Mumusladen.
Ein Typ, Mitte Dreißig zu seiner Freundin, Mitte 20: "Und, ziehst du jetzt hierher?"
Sie: "Nö, ich bleib im Bötzowviertel. Für hier bin ich einfach zu alt!"

Hamburg, Reeperbahn, vorm Schaufenster des Sexkitschladens.
Zwei etwa 15-jährige Tussen und ihre Macker, die eine: "Hey Kevin, halt ma meine Tasche. Aber gut aufpassen, ne? Nachher habsch fünf ..."


73 – 261209 – Hier, Dingens

Montagfrüh, Schlesische Straße
Radfahrerin biegt um die Ecke. Besoffener ruft ihr hinterher: "Oh Gott! Überall kommse
rausgekrochen! Wie de Motten aus de Klamotten! Aber man kricht se nich zu packen!"


Mittwochnachmittag, Hauptstraße
Zwei Kerle, ein Auto fährt vorbei, mit zwei Flaggen dran.
Der eine: "Hey Alter, krass, versteh ich nich. Der hat ne türkische Fahne und ne rumänische! ALTER, was is DAS denn?" Darauf der andere: "ALTER dis is' die DEUTSCHE Flagge, du ARSCH!"


Neulichabends, U8 hält Heinrich-Heine-Straße
Zwei Teeniegören, die eine so: "Ey, der muss potthässlich gewesen sein, wenn der schon Heinrich hieß."


72 – 111209 – Berlin Ecke Döner

Spielplatz Mitte, 1500h
Zwei Mädchen, vielleicht vier Jahre alt, spielen im Sand.
Die eine: "Ich backe einen Kuchen. Du auch?"
Die andere, resolut: "Nein, ich backe mir ein Döner."

Internetcafé Wedding, 1730h
Kunde: "Darf ich hier Döner essen?"
Tresenkraft: "Klar, wenn du mir einen mitbringst!"


71 – 021209 – Nachtrag

Am vergangenen Sonntag schloss das "Weltkulturerbe" (Thomas Kapielski) bzw. die "Kiezkneipe" (B.Z.) Zum Goldenen Hahn am Kreuzberger Heinrichplatz wg. Renovierungsarbeiten bis auf Weiteres. Anlass für ein literarisch gesäumtes kollektives Besaufen, bis das die Vorräte aufgebraucht waren. An folgenden Wortwechsel kann sich der Berichterstatter erinnern (und nur an diesen). Ein ziemlich volltätowierter Skinhead verklart seinem Gegenüber: " ... und es geht hier nicht ums FICKEN, Alter, sondern um verzweifeltes NATIONALBEWUSSTSEIN!" In die folgende kurze Stille hinein sagt einer der anwesenden Literaten: "Wie dir jeder halbwegs gute Psychoanalytiker sagen wird, ist das ein und dasselbe." Sodann wird weitergetobt.


70 – 071009 – Im Geisterhaus

Folgende Mail liegt im Posteingang:

Hallo Herr Dubel, meine Schwester hatte Sie vor kurzem auf einem Vortrag gehört, in dem es u.a. auch um den Schnurrbart von Adolf Hitler ging. Sie hat mir erzählt, dass darin auch Fotos des "jungen" Adolf Hitler gezeigt haben.

Da ich gerade eine Idee zu einem Kunstprojekt habe, benötige ich dafür ein Foto von dem jugendlichen Adolf Hitler. Bisher konnte ich leider aber keines finden, dass für mein Projekt passen würde.

Ich wäre Ihnen daher sehr dankbar, falls Sie mir ein solches Foto übersenden könnten oder mir evtl. einen Quellenhinweis geben könnten, wo ich ein solches Foto finden kann.

Ich antworte:

Versuchen Sie mal "Google". Im Feld für den Suchbegriff z.B. "young hitler" eingeben, dann Imagesuche ...

Darauf kommt dies:

Besten Dank! Hätten Sie vielleicht noch einen Tip für ein oder zwei gute Bildbände, in denen ich solche Fotos finden kann, die Qualität aus dem Internet ist nicht allzu gut...

Ich frage: Gute Bildbände?

Letzte Antwort: Kann auch eine Biografie sein ...


69 – 191208 – Unterwegs

Sonntagvormittag in der S-Bahn, der Zug fährt durch eine Kleingartenkolonie im Plänterwald, die hinter Nebelschwaden fast verborgen ist. Zwei ältere Damen, die eine, verträumt: "Nein, das ist nicht gut ... Wenn man eine Dauerwelle trägt."
Resolut die andere: "Da hilft auch kein Regenschirm was."

Im Ersatzverkehr. Mittelalter Typ riecht stark nach Alkohol, setzt sich neben ein Teenagermädchen. Nach kurzer Zeit dreht er sich zu ihr und sagt:
"Du hast so schöne Haare."
Das Mädchen, verlegen: "Hmm, danke."
Nach noch einem Moment fragt er: "Hat Dir das heute schon jemand gesagt?"
Sie: "Nein." Darauf er: "Die Schweine."

U2, Richtung Ruhleben, zwischen Potsdamer Platz und Mendelsohn-Bartholdy-Platz
Zwei Teenager kreischen die ganze Zeit. Als der Zug aus dem Tunnel fährt, verstummen sie abrupt, schauen sich verwirrt um, schließlich sagt die eine:
"Aäääh! Wieso fah'n wa denn über Land?"


68 – 251108 – Um den Verstand

Rosenthaler Straße 39, im Hof, vor der Tür zum Anne-Frank-Zentrum ...
Kleiner Junge fragt seinen Vater:
"WARUM wurde Anne Frank umgebracht?"
"Weil sie Jude war."
"Was? Weil sie Lüge war?"
Der Vater wiederholt: "Weil sie Jude war!"
Darauf der Junge: "Weil sie eine Lügnerin war."

Anderntags ...
Im Grill Royal fängt einer an, laut über Namen nachzudenken:
"Frauen, die Anna oder Anne heißen, fahren meistens Hollandrand und sind politisch."
Eine Frau fragt: "Wieso das denn?" Sagt er: "Wegen Anne Frank."

Noch anderntags ...
Auf Pro 7, in einem bescheuerten B-Movie, circa 2109h, sagt der Protagonist:
"Wir sind hier doch nicht in einem bescheuerten B-Movie!"


67 – 091108 – Jeder Tag wird teurer

Sonntag, ARD-Tagesschau ...

Thorsten Hapke live aus Dannenberg:

"Eigentlich sollte der Atommüllzug schon seit dem Nachmittag hier am Verladebahnhof in Dannenberg stehen, doch der ursprüngliche Zeitplan ist völlig aus den Fugen geraten, noch nicht einmal Lüneburg ist erreicht, und es ist völlig offen, ob der Zug heute Nacht noch auf den Weg nach Dannenberg geht oder ob er am Rangierbahnhof in Maschen zwischengeparkt wird. Entscheidend für die Polizei ist, ob der Transport in der Dunkelheit sicher ist, oder ob Blockaden drohen, die im Dunkeln nur schwer zu räumen sind. Die Atomkraftgegner sehen die Verzögerung jedenfalls schon als Erfolg, wie auch die größere Zahl von Protestlern. Die Polizei dagegen gibt sich gelassen: Entscheidend sei, dass der Zug das Ziel Gorleben, das Zwischenlager, erreicht, nicht so sehr wann. Klar ist aber: Dieser Transport ist teurer als geplant. 20 Millionen Euro kostete der Einsatz im vergangenen Jahr. Jeder Tag, den er länger dauert, wird teurer."


66 – 290508 – Im Problemkiez

Berlin-Neukölln, 1345h, ein angetrunkener Mann:
"Mussick ers' sterm umssu leben? Ick jloob, ick wa' lange jenuch tot, wa?"


65 – 290108 – ÖPNV mit Hunden

U-Hermannplatz, 1115h, zwei Junkies unterhalten sich.
Typ: "Wenn ich in' Knast geh' geht mein Hund kaputt. Der frisst dann nix
mehr, dass sachichdir.
Frau: "Ach Quatsch! Als du die Woche im Krankenhaus warst hat er ja auch
gefressn."
Typ: "Das war was anderes. Da hat er gedacht: Herrchen is auf Party."

U-Kottbusser Tor, 2307h.
Ein Typ mit Hund schnorrt einen Mann an, der auf die U-Bahn wartet.
"Ey, haste mal 'nen Euro."
Der andere schüttelt den Kopf.
"Aber meine Hündin is schwanger."
"Hättste halt besser aufpassen müssen oder 'nen Gummi benutzen."


64 – 301207 – Alles auf Anfang

Donnerstagabend, vor'm Spätkauf Boxhagener Platz, zwei Typen:
"Ey, da verhaften mich die Bullen, weil ich zwei Schwarma koofen geh."
"Musste halt Hallumi koofen."

Letzte Woche am Schulterblatt (Hamburg),
ein Portugiese beschimpft einen Polizisten (auf Portugiesisch).
Der schaut nachdenklich, wiegt den Kopf, bleibt aber ruhig.
Schließlich fragt der Portugiese (auf Deutsch):
"Zählst du deine Überstunden?"
Darauf der Polizist:"Nee, ich überlege nur grade,
ob ich dich bis acht Uhr früh oder bis morgen Nachmittag einsperre."
Der Portugiese ist dann gegangen.

Nachtrag zum letzten "Nationalfeiertag":
Zwei Prekäre laufen vorbei. Der eine sagt:
"Morgen wird Deutschland 16. Endlich können wir es ficken."

––Stimmen? Wir hören hin.


63 – 020907 – Bei uns

Im Bus 101 Höhe Hanauer Straße, zwei Sachsen auf Hauptstadtbesuch:
"Guggama – Hanauer Strose. Des ham beschdimmd die Hesse gefördat."

Im Streichelzoo:
"Ey, Janine, mach dat Mäh mal ei!"

Tiergarten, an der Fußgängerampel Nähe Siegessäule:
Sie: "More!"
Er: "The Beatles are bigger than Jesus."
Sie: "Haah?"
Er: "The Beatles are bigger than Jesus."

Bei Lidl, 1845h, zwei junge Mädels:
"Ey, weissu, happisch jesacht: ey, lebssu in Deutschland,
mussu auch deutssch reden, Alter! Happich jesacht."

––Wir. Bei uns.


62 – 010807 – Jawoll

Im Kaufhaus der Popkultur, 1727h, sagt ein bärtiger beringter Mann:
"Ick nehm dit Zombieposta. Dit beschönt mein Reich des Todes."


61 – 230607 – Sicher ist sicher besser

Dialog zwischen einem Wachschutzmann und einem Berliner Journalisten,
im Parkhaus Rathauspassage, während einer Debatte um irgendwas:
Wachschutzmann: "Ihr Argument beleidigt meine Intelligenz."
Journalist: "Ihre Intelligenz beleidigt mein Argument."


60 – 270507 – Like ice in the sunshine

This afternoon, Wildwest-Strandmarkt Holzmarktstraße ...

Girl: "I didn't sleep since Friday."
Boy: "What did you do? Nazi-speed?"


59 – 020507 – Stimmchen hören 2

Unter einem Busch hocken zwei Kinder, beide etwa vier Jahre alt.
Eins: "Du, weißt Du wahaas? Ich hab voll die Energie auf Kartoffeln."
Daraufhin das andere: "... und ich bin vegetarisch gegen Fisch."


58 – 020407 – Gender mainstreaming

Mittwoch, Lausitzer Platz, zwei Mädchen in der Frühlingssonne:
"Ich kann gar kein Weichei sein ...! Ich hab ja keine Eier!"
"Aber ... du hast doch Eier!"
"Och geh mir nich' auf'n Sack!"


57 – 010407 – Echt jetzt

Der eine Kaulitz bei der ECHO-Verleihung:
"Wir haben wirklich echt nicht damit gerechnet dass wir diesen Preis hier heute gewinnnen."


56 – 170307 – Im Bauch der Stadt drin

U2-Alexanderplatz – zwei Männer vor dem Plakat der bereits im Oktober 2006 beendeten Ausstellung. Einer fragt: "Watsollnditte?" Der andere antwortet: "Weesickoochnich. Sonsishiaimmakunst."

U8 zwischen Hermannplatz und Schönleinstraße
Mädchen: "Meine Freundin hat letzte Woche Fler im U-Bahnhof Moritzplatz
gesehn. Krass, oder, dass so ein Star einfach mit der U-Bahn fährt?"
Junge: "Naja. Aber er hätte sich ja auch anders stylen können, damit man ihn nicht
erkennt."
Mädchen: "Ja. Stimmt."


55 – 080107 – Stadtansicht

3. Januar 2007, Goldener Hahn, Pücklerstraße Kreuzberg.
Am Nebentisch sagt der Schauspieler Benno Führmann zu einem Begleiter:
"New York ist doch echt das Urgestein der Städte. Das kann man gar nicht mit Berlin vergleichen."

––From the Institute with Love


54 – 201206 – Prellenium

1730h im Bahnhof Alexanderplatz, eine Frau auf der Rolltreppe
schließt ihre vermutlich umfangreiche Stellungnahme ihrer Freundin gegenüber
wie folgt ab: " … sozusagen gewissermaßen halt … irgendwie ebend …"

Etwas früher in der Post Inselstraße.
Sehr lange Schlange. Als das Murren stärker wird,
wendet sich der Verursacher an die Wartenden:
"Wir sind hier im Osten! Hier geht die Welt langsamer unter!"
Anschließend verweist er darauf,
dass er damit "Brand oder Bismarck" zitieren würde.
Als über Gestank im Raum geklagt wird,
hebt er den Arm zu einer weit ausholenden Geste und sagt:
"Das bin ich! Ich stinke wie ein Puma!"
Darauf eine Frau: "Riecht aber eher wie Knoblauchwurst."

Am Vorabend ein Werbespot auf CNN:
"BMW armoured cars. For today's changing world."


53 – 221106 – Hardwareprobleme

Radio-Moderatorin am Tag danach:
"...der Täter galt als Internet-süchtig, spielte den ganzen Tag Horror-Shooter und lebte also in einer virtuellen Welt, die mit der realen nicht kompatibel war."


52 – 131106 – Vooorsicht!

Gestern, Backshop U2-Alexanderplatz
Ein Vater möchte ein Getränk für seinen Sohn kaufen, der eine 'Powerade' will, weil die so bunt aussieht. Der Verkäufer reagiert engagiert: "Das kann ich Ihnen nicht empfehlen, das ist nichts für ein Kind. Das ist ein ISOTERISCHES Getränk."

––Stimmen? Wir hören hin. Seit 1991


51 – 280906 – Stimmchen hören

Dienstag, circa 2330h, ZDF.
Johannes B. Kerner im Gespräch mit Til Schweiger:
"Herr Schweiger, wie bringen Sie denn Ihren Kindern Kultur und Musik nahe?"
Schweiger: "Limewire?"

Letzte Woche auf einem Kreuzberger Spielplatz, circa 11h.
Zwei kleine Jungs auf der Schaukel.
"Ich bin Speidameen."
"Nein. Ich bin Speidameen."

Ampelszene in Kreuzberg (Nachtrag zum Sommerspektakel).
Junge: "Kuckst Du auch Fußball gleich?"
Mann: "Nö."
"Aber das ist doch Deine ... Eure ... Ballack!"
"Und?"
"Kennst Du Ballack nich?"
"Nö."
Junge überlegt kurz: "Kennst Du mich?"
"Nö."
"ICH bin Ballack!"

––From the Institute with Love


50 – 220906 – Cornucopia?

Kreuzberg 1430h

Ein Mann redet mit sich selbst:
"Grünkohl, Grünkohl. ich hör' nur immer Grünkohl …"


49 – 310806 – PIXNIXNOX

Freitagnacht.
Ein angetrunkener Besucher beim Verlassen des Mitte-Clubs zum Türsteher:
"Eh ... Samstags is' aber ganz schön Scheiße hier".
Türsteher (trocken): "Is' aber Freitag."

Gesternabend U8 Richtung Hermannstraße.
Eine Mutter stellt ihre etwa 12-jährige Tochter zur Rede warum sie zu spät sei:
"Ich glaub´ du brauchst mal dringend ´ne Uhr!"
Tochter (kleinlaut): "Ich brauch' ein Handy."

Dienstagabend vor dem Spätkauf Wühlisch- Ecke Knorrstraße.
Etwa zehn alternative Jugendliche und Punks sitzen herum.
Das Gespräch dreht sich um Polizeigewalt:
"Ich kenn' da eine Geschichte, keine Ahnung ob die wahr ist:
Also die Anti-Atom-Gegner ..."
Ein anderer unterbricht: "Wie jetzt: ANTI-Atom-Gegner?" –
"Na ja! Die wo gegen Castro sind!"

––Stimmen? Wir hören hin. Seit 1991


48 – 190806 – Szenen zweier Ehen

Donnerstag, Berlin-Mitte, ein bürgerliches Ehepaar vor'm Schuhgeschäft.
Sie betrachten die Heidi-Klum-Birkenstock-Kollektion.
Er beugt sich vor und sagt leise: "Ich dachte die wären nur für Behinderte …"

Derweil in einem Buchhandel in der City West.
Sie: "Heinz, wo biste denn?" Er, schmächtig mit Krückstock, schmökert in geduckter Haltung in den Kamasutra-Büchern. Sie: "Heinz? Wo biste? Ach da … " Er: "Ja, äh, hier." Sie: "Was guckste denn schon wieder?" Und als sie sieht was er guckt: "Oooooch Heiiinz! Neeeh! … Nu komm …"

––Stimmen? Wir hören hin. Erratik Institut Berlin


47 – 010806 – Kultur der Schaffenden

Montagmittag, Neukölln. Arbeiter pflastern den Gehweg. Die Unterhaltung dreht sich um einen Arztbesuch, als einer der Arbeiter ruft: "Angst! Angst essen Seele auf!" Verdutzt fragt ein anderer: "Wattsollnditsin?" Darauf der erste: "Is' Kultur. Haste wieso keene Ahnung von."

––In escht. Erratik Institut Berlin. Seit 1991.


46 – 290706 – Echo

Am 28. Juli 2006 schreibt das Hamburger Online-Studienzentrum ILS
(www.ils.de) in seinem Email-Newsletter:

"Bereits seit 15 Jahren schaut das Erratik-Institut Berlin dem Volk aufs Maul. Wo immer eine Stimme sich zu Wort meldet, hören die Institutsmitarbeiter hin, beispielsweise auf einer Vernissage: Sie trägt an einer Halskette ein silbernes Kreuz, er will Smalltalk machen: "Bist du Christin?", "Nee, Ann-Katrin."Wer Volkes Stimme regelmäßig vernehmen will, sollte sich den kostenlosen Newsletter des Erratik-Institutes bestellen."

––Virtuelle Seriosität. Seit 1991.


45 – 170706 – Kindertage dunkler als Nächte

Samstag, 16h, Lietzensee-Spielplatz, Charlottenburg

Am Spielplatz angekommen, ist das kleine Mädchen im Fahrradanhänger
eingeschlummert. Die Mutter lässt sie schlafen und plaudert derweil mit
anderen. Plötzlich ein grässlicher Schrei mit anschließender Heultirade. Die Kleine ist aufgewacht und schaut verwirrt um sich: "Mami, ich hab von Hexen und Gespenstern geträumt!" Darauf die Mutter tröstend: "Keine Angst, ich bin doch bei dir!" Das Kind: "Ja, aber die Hexen und Gespenster haben ganz wild mit Deutschlandfahnen gewinkt!"


44 – 120706 – SCHLAND!

Ring-Center am Frankfurter Tor, 13 h
Eine tätowierte Zwanzigjährige zu ihrem etwa fünfjährigen Sohn:
"Dassde uff die Aad watt von mir krist kannste aba abhagn."
Junge: "Ab-hah-ng?"
Mutter (belehrend): "Ab-ha-gen!"

Nachtrag vom Freitag vorvergangener Woche:
S-Bhf Marzahn, nach dem Viertelfinalspiel, zwei sturzbetrunkene Zwanzigjährige, jeder Schritt in eine andere Richtung, grölen:
"SO SEHN SIEGA AUS … SCHALALALA!"

––Superdeutschland. Erratik Institut Berlin


43 – 180606 – Schneller Konter

Letzte Nacht gegen 0430h, Rosenthaler Strasse.
Vier Prostituierte auf dem Weg in die Oranienburger.
Vier betrunkene Fussballfans gröhlen von der anderen Strassenseite:
"Hallo ihr NUTTEN!" Darauf die Damen: "Hallo ihr FREIER!"

––Erratik Institut Berlin. Seit 1991.


42 – 120606 – Abseits

Mexiko – Iran – 89. Minute

Der von RTL als Moderator verpflichtete Ex-Nationalspieler Pierre Litbarski erklärt einige Spieler der iranischen Mannschaft, die sonst auch in der Bundesliga spielen, zu "Halbdeutschen", die ihm "gut gefallen". Zuvor hatte er angesichts des Dreizueins-Rückstands der Iraner davon gesprochen, dass er sich "an eine andere deutsche Mannschaft" erinnere, die einmal einen solchen Rückstand aufgeholt habe.

––In escht. Seit 1991


41 – 100606 – Fehlpass

Freitag gegen 2050h im Videodrom.
Kunde gibt eine DVD ab, leider zu spät.

Verleihperson: "Der Film ist zu spät, das wären dann nochmal Zweieurofünfzig..."
Kunde: "Aber ... ABER ... wir haben doch gerade GEWONNEN ... !"
Verleihperson: "Was hast DU denn gewonnen?"
Kunde: "Hey, du könntest ruhig mal etwas patriotischer sein!"
Zahlt und ab.

––Ja zum Vorrundenaus. Seit 1991


40 – 300506 – Pass

Sonnenallee Richtung Treptow, abends.
Eine größere Gruppe Fahrradkuriere fährt ein Rennen.
Ein Polizeimannschaftstransporter folgt mit Blaulicht und Sirene:
"Alle Radfahrer anhalten!" – Keine Reaktion der Gruppe.
"Alle Radfahrer SOFORT anhalten!" – Keine Reaktion der Gruppe.
Einige Augenblicke später:
"NA DANN wünschen wir noch einen schönen Unfalltod."

Polizeifahrzeug biegt ab.


39 – 240506 – Leere Kirchen

Vernissage am Wochenende.
Sie trägt an einer Halskette ein silbernes Kreuz, er will Smalltalk machen:
"Bist Du Christin?"
"Nee. Ann-Katrin"


38 – 100406 – Psychosoziolalie (Volksmund III)

Samstagnacht, der Taxifahrer heißt Göring und spricht:

"Also heute mit die Teletubbies und lululala … nne? … früher, ich hab Taxi gefahren unter Honecker und mir ging's gut, ich hab Taxi gefahren unter Kohl und mir ging's gut und jetzt … nne? … und Berlin erstmal, man sacht ja auch … lieber Gysi im Arm als Wowi im Darm … Also früher da gab's jedenfalls Schnatterinchen und Pittiplatsch, da ging's um Solidarität … das war noch Psychologie … nne?" (Auszug nach Gedächtnis)


37 – 080306 – Volksmund II (Klare Ansage)

Dienstagnacht im Taxi, die Fahrt geht von Friedrichshain nach Kreuzberg.

Ost-Berliner Taxifahrer: "Also nee! Kreuzberg! Da will ich ja nich' wohn'!"
Fahrgast: "Ich will auch nicht, dass Sie da wohn'."

Schweigen für den Rest der Fahrt.


36 – 060206 – Kommunizierende Röhren II

Hannover, Hamburgerlokal im Hauptbahnhof, Sonntagmorgen gegen 0415 h

Ein Student in der Warteschlange:
"... ich hab' gestern meinen Studentenausweis vergessen."
Hinter ihm alkoholisiertes etwa 16jähriges Mädchen, laut:
"Und ich hab meinen ASSI-AUSWEIS VERGESSEN!"

––Stimmen? Wir hören hin. Seit 1991


35 – 240106 – principia individuationis

Zwei Jungs vor einer Grundschule in Kreuzberg:
Einer: "Eyschreibmahaus!"
Der andere (erbost aufbrausend): "Kannstejaselbanüsch!"

–Wenn du sie nicht überzeugen kannst verwirre sie. Seit 1991


34 – 220106 – Nominal consent

Samstag 23 h Wühlischstraße
Er: "My cat's called Sabbath."
Sie: "Is it black?"


33 – 150106 – Flashback

Sonntagnachmittag, Panorama Bar: "Ey, EY ... haste noch EEeh ... oder kennste noch EEeh-Jungs die welche haben ... ?


32 – 020106 – Beileid, Bulette!

Berliner Abendschau, am Dienstag den 2. Januar 2006

"Abschied von einem Tier, das schon lange kein Happy Hippo mehr war ... das Flusspferdbecken ist mit dem Tod von Bulette deutlich leerer geworden."


31 – 301205 – La belleza es un valor ...

Junge Frau am Bücherstand beim 22C3: "Findste nich' auch dass der Hygienebeutelspender im Frauenklo voll die iPod-Optik hat?"


30 – 241005 – Verbraucherschutz II

Montag nachmittag bei Lidl, zwei Mitte-Mädels um die Zwanzig vor der Tiefkühltruhe. Die eine zeigt auf ein paar Hühnerbeine und sagt: "Solln wa mitnehm?" Darauf die andere: "Willste sterben oder was?"


29 – 241005 – Verbraucherschutz I

Montag früh – TV-Magazinbeitrag über Internetbetrüger: " … sie bauen eine täuschend echt aussehende Internetseite nach …"

––Erratik Institut Berlin. Seit 1991


28 – 020905 – Sprache mächtig

Bei der Berichterstattung über die "schlimmste Unweltkatastrophe der Menschheitsgeschichte" stößt das Personal des "Berliner Partnersenders von CNN" an die Grenzen seiner sprachlichen Fähigkeiten.

Frau im Studio, aus dem Off: "Die Lage ist so dramatisch, dass US-Präsident Bush der Besatzung seiner Airforce One die Erlaubnis erteilt hat, in ungewohntem Tiefflug über das Katastrophengebiet zu kreisen. Aus der Luft macht sich Bush ein persönliches Bild von der Lage."

Reporter vor Ort (er steht unter einem "New-Orleans-typischen" Balkonvordach auf dem Bürgersteig. Im Hintergrund ein Lieferwagen und Ziegelschutt): "Ich meine man kann es nicht oft genug sagen. Auf etwa 300 Kilometern sehen wir eine einzige Trümmerlandschaft. Egal ob man steht, wo man geht, überall nur Schutt, überall Chaos, nichts ist eigentlich richtig mehr an seinem Platze, und wenn davon gesprochen wird, dass es Monate dauern wird das alles wieder aufzuräumen, dann kann man das vielleicht auch auf Jahre ausdehnen. Wir müssen nur einmal kurz umschauen uns hier. Da sieht man Autos, die absoluten Schrottwert besitzen. Ich meine wir haben es schon oft genug gezeigt, doch man kann es nicht oft genug zeigen. Die Stadt versinkt nicht nur in den Fluten, sondern auch im absoluten Chaos. Wir sehen Brände. Häuser, die im Wasser stehen stehen in Flammen. Doch offenbar reicht die Hilfe nicht aus."

Frau im Studio: "Neben New Orleans ist auch die Küstenstadt Biloxi in dem Bundesstaat Mississipi mit am meisten vom Tropensturm verwüstet worden. Eine riesige Flutwelle hat auch diese Stadt überschwemmt."

Reporter aus dem Off (über einen Geschädigten): "Alle seine Sachen sind weg. Er hat nirgends wo er hingehen kann."

"In einer Stadt, in der fast jedes Haus beschädigt oder sogar ganz zerstört ist, jedes Auto Schrott, ist Hilfe weitaus dringender als die Hilfsorganisationen befürchtet haben."

Frau im Studio: "Tausendfach menschliche Tragödien spielen sich ab während so einer Katastrophe wie jetzt in den USA. Um so schöner ist es, wenn man auch trotz aller Zerstörung glückliche Szenen erleben kann."

"Viele Menschen stehen vor einem Trümmerhaufen."

Im Gespräch mit dem "Bundesarzt der Johanniter-Unfallhilfe": "Welche Seuchen sind denn am wahrscheinlichsten dass sie ausbrechen können?"

wieder live nach New Orleans: "Welche Szenarien erleben Sie denn da?"

Reporter vor Ort: "Also die Lage hier in New Orleans, man kann es nicht oft genug betonen, ist absolut chaotisch. Wir hören Berichte, dass jetzt alle Menschen evakuiert werden sollen. Wenn man sich das Ausmaß der Zerstörung ansieht wie hier hinter mir" (er steht immer noch vor dem Lieferwagen und dem Ziegelschutt, ist aber einige Meter vom Bürgersteig auf die Straße getreten) "dann ist das nur allzu verständlich. An ein geordnetes Leben ist angesichts solcher Bilder überhaupt nicht zu denken.Das Hauptproblem jetzt allerdings für die Rettungskräfte ist die eigene Bevölkerung, so unglaublich das klingt. New Orleans ist als Verbrechenshauptstadt der USA bekannt. Man versucht, diesem Ruf offenbar gerecht zu werden. Es gibt mittlerweile Waffen, die an die Rettungskräfte verteilt werden, ganz einfach deshalb, um sich im Notfall wehren zu können."

"Andere Dinge sind da vergleichsweise harmlos, zum Beispiel die Plünderei. Wir sehen das auch hier hinter mir. Die Läden sind schon seit Tagen ausgeräumt." (gezeigt wird die unbeschädigte Ladenfront eines Steuerbüros)

"Wir haben es ja heute selber gesehen. Es sind jetzt ganze Buskonvois hier in die Innenstadt unterwegs. Das Superdome ist ja nach wie vor auf dem Landwege erreichbar. Diese Busse versuchen dann, die Menschen abzutransportieren, und zwar die meisten nach Houston–Texas, eine Fahrt, die sechssieben Stundern dauern dürfte. Der große Vorteil dort: dort gibt es Trinkwasser, dort gibt es Elektrizität, das heißt vergleichsweise menschenwürdige Zustände. Die Zustelle ... eh ... Zustände hier vor dem Superdome sind allerdings alles andere als ... als ... eh ... leicht. Es gibt mittlerweile Schlägereien um die ersten ... um die besten Plätze in den Bussen. Das heißt an einen geordneten Abzug ist überhaupt nicht zu denken."

"Wir sehen hin und wieder Checkpoints der Polizei, doch das ist alles. Auch sollen ja mittlerweile 20.000 Nationalgardisten alleine in New Orleans Recht und Ordnung halbwegs wieder herstellen, doch auch die bleiben zumindest in diesen Straßen spurlos verschwunden. Wir haben sie noch nicht gesehen."

––Erratik Institut Berlin. Medienkritik und Häme seit 1991


27 – 300805 – Redirektmandat

Wahlkampf in Kreuzberg, Ströbele geht spazieren und verteilt Broschüren.
Junger Mann, vermutlich mit Migrationshintergrund, wiegelt ab:
"ich wähle mit Sicherheit nicht die Grünen."
Ströbele, irritiert: "Darf man fragen warum nicht?"
Junger Mann: "Na das muss ich DIR doch EIGENTLICH nicht erklären."
Ströbele: "Stimmt. Eigentlich nicht."
Beide gehen weiter.

––Erratik Institut Berlin. Wahlbeobachtungen seit 1991


26 – 250805 – Achtung. Event für vor oder nach dem Wählen gehen.
Und Super-Text auch

Gedankenleser will PIN erraten

Der Gedankenleser Jan Becker will am 18. September um 11 Uhr am Geldautomaten neben dem Westin Grand Hotel in der Friedrichsstraße 158 die Kreditkarten-Geheimzahl von Schauspieler Ben Becker erraten. Gelingt es ihm, will er eine beliebige Geldsumme zugunsten des SOS-Kinderdorfs abheben. Ben Becker ist der erste Prominente, der sich für diesen Zweck die PIN aus seinem Gehirn lesen lassen will.

aus der "auflagenstärksten Wochenzeitung in Berlin"
Berliner Woche, Lokalausgabe für Mitte, 24. August 2005

––Erratik Institut Berlin. Presseausschnittdienst des Satans. Seit 1991


25 – 010605 – Erziehungsberechtigt

Gestern im Bio-Laden …
Tochter: "Ist das in Ordnung wenn Kinder ihren Eltern nachspionieren?"
Vater: "Klar … wenn die Eltern was Böses gemacht haben ..."

–Stimmen? Wir hören hin. Erratik Institut Berlin


24 – 130505 – Volksmund (Berliner Schnauze)

aus aktuellem Anlass ...

Berlin ("Zentrum des Universums, Perle an der Spree") ist die Stadt "von Telesparjel, Wasserklops un' Langer Lulatsch". Neu ist das inzwischen für Besucher geöffnete "Denkmal für die ermordeten Juden Europas".

Positioniert im Rennen um weitere Benennungen des Bauwerks haben sich bisher Martin Walser ("fußballfeldgroßer Alptraum") Sabine Christiansen ("Stelenfeld") und die NPD ("Schuldkultstätte").

Die BZ hat die Berliner bisher nicht aufgerufen, "Judendenkmal kucken zu gehen". Das geht nicht.

Für die neue Attraktion an der Claire-Berliner-Straße 1 ist weiterhin eine massen- und konsenstaugliche volksmundartliche Bezeichnung nach Art der Berliner Schnauze gesucht. Stimmenhörer aufgepasst!

––Erratik Institut Berlin. Psychotektonik und Architekturkritik seit 1991.


23 – 080505 – Gegenwartsbewältigung

Am Alex, NPD-Demo – Motto: "60 Jahre 'Schuldkult' – 60 Jahre psychische Folter"

Eine Lautsprecherdurchsage erklärt den Teilnehmern, dass es erst losgehen kann wenn 20 "Ordner" gefunden würden, die nicht vorbestraft sind. Nach einer halben Stunde kommt eine weitere Durchsage: Es seien jetzt 20 Nichtvorbestrafte gefunden. Und: "Da kann man doch mal wieder sehen, dass wir gar nicht so schlechte Menschen sind." Verhaltenes Gelächter.

Einmal: " … wir sind doch nicht in der Bananenrepublik Südafrika …"

Kurze Aufregung, als am Balkon der Wohneinheit eine PDS-Fahne geschwenkt wird: "Komm doch runter, wenn'de dich traust. Oder wir komm' hoch."

Transparent: "Tel Aviv ist nicht Berlin. Israel ist nicht Deutschland. Friedmann ist nicht unser Freund."

Anderes Transparent: "Freiheit statt 'befreit'"

Wiederholt: "Kamera'en. Kamera'inn'n."

Sabine Christiansen, später, und nachdem sie den "schwer auszusprechenden Namen" eines Studiogastes fehlerfrei ausgesprochen hatte: " … und … sie kommen aus Auswitch"

Ulrich Wickert, noch später: "Demokrastie … eh …"

––Müllabfuhr. Müllabführer. Berlin 2005


22 – 270405 – Inverse Kinetik

Peer Steinbrück im RTL-Interview (mit "Frau Kronzucker"):

"Diese Wahl entscheidet sich buchstäblich auf den letzten Metern vor dem 22. Mai."

––Stimmen? Wir hören hin. Erratik Institut Berlin


21 – 270405 – Kommunizierende Röhren

Tagesthemen-Thema "Was ist ein gerechter Lohn?"

Eine Kellnerin, die für 10 Euro die Stunde arbeitet, meint, dass Menschen, die hart arbeiten, besser bezahlt werden sollten. Auf die Frage der Reporterin, ob jemand etwa im Büro dann weniger als sie, die Kellnerin, verdienen solle, antwortet diese: "Nee, eigentlich nicht. Ich finde ich sollte mehr verdienen als die."


20 – 120405 – Mortui Vivus Docent

Alexanderplatz, am frühen Abend. Zwei Jungs in Bagjeans und Baseballcaps:
Der eine (zappelt): "Mensch, Alter. Ick fass'et nich', Alter. Wat seh'n meine Äuglein, Alter. Du hier, Alter! Du bist'et wirklich, ey! Benni!" Der andere (trocken): "Du hast das 'Alter' vergessen."


19 – 290305 – Trendsport Hirntod

Mittagspause – Zebrastreifen Münzstraße – Ecke Neue Schönhauser Straße

Zwei junge Frauen. Eine: "Manno, ich muss diese ganzen ... ehm … DINGER anrufen … wie nennt man die denn … so kleine Firmen, wo Prolls was mit den Händen machen?" Die andere schaut sich vorsichtig um, bevor sie antwortet: "Handwerksbetriebe?"

––Stimmen? Wir hören hin. Erratik Institut Berlin


18 – 170205 – Ex nihilo nihil

Am Mittwoch, dem 16. Februar 2005, um 19.06h war – nach Meldungen und Falschmeldungen um eine Explosion im südlichen Iran – von einem Sprecher des Berliner "Nachrichtensenders" n-tv der Satz zu hören:

"Nicht nur dem amerikanischen Geheimdienst ist die Gegend um Baschier keine unbekannte Gegend."

In diesem Sinne ...

––Erratik Institut Berlin. Medienbeobachtung seit 1991.


17 – 090205 – Naturkritik

Donnerstag früh – Bahnsteig U2 am Alex

Zwei solariumgegerbte Sportmütter tragen einen Kinderwagen samt Kind die Treppe hoch. Die eine, laut: "Überall baunse so'n Scheißfahrstuhl, außer hier nich'."


16 – 071204 – Mitte geschlossen

0057h – Neue Schönhauser Straße

Zwei Typen in britischen Regenmänteln. Der eine versonnen:
"Würdest Du sagen, dass Du ein schlechter Mensch bist, wenn Du nicht Franz Beckenbauer bist?"

––Stimmen? Wir hören hin. Erratik Institut Berlin


15 – 251104 – Fortschritt

Im Aufenthaltsraum der Ankleiderinnen, Staatsoper Unter den Linden Berlin, während der Vorstellung – man spricht über die Preispolitik der Bundesbahn, dass die Tickets am günstigsten im Internet zu bestellen sind ...

Eine etwa 40-jährige Frau: "Internet? Das is ja nu nich wie'n Mülleimer … Na jut, ha ick inna Küche zu stehn …"

––Berlin. Zentrum des Universums. Seit 1991


14 – 151104 – Topografie des Errors

Nachmittags – im Bus auf der Serpentine zum Kehlsteinhaus ...

Eine deutsch-amerikanische Reisegruppe.
Eine Frau Mitte Vierzig spricht Englisch mit starkem deutschen Akzent:
"Ze Fuehrer really had a point hier. Djast luk at ze bjutiful vu ..."

––Stimmen? Wir hören hin. Erratik Institut Berlin


13 – 181004 – Ankommen um auszugehen

Gestern beim Abendessen im Restaurant August-, Ecke Tucholskystraße ...

Der "Stütze"-Verkäufer bedankt sich für die erhaltene Spende und wünscht zum Essen eine "Gute Weiterfahrt".

––Erratik Institut Berlin. Seit 1991.


12 – 250804 – Vergangenheitsbewältigung

Mittwochnacht – illegaler Club in Mitte …

Er: "He. Ich hab Dich vorm Jahr aufm Sozialamt angesprochen und aufn Kaffee eingeladen."
Sie: "Und was hab ich gesagt?"
Er: "Nein."
Sie: "Tut mir leid."
Er: "Ich habs überlebt."

––Stimmen? Wir hören hin. Erratik Institut Berlin


11 – 170804 – Was zählt ist ...

Berlin-Kreuzberg – Freitag, an der PLUS-Kasse

Ein Proll zum anderen:
"Ick ha' in mein Le'm schon so vill Steuern bezahlt. Ick bin schon bei Haa'tz acht ..."


10 – 160804 – Weiterdenken (Sound of Wagner in the Night)

Bayreuth – Sommerabend auf dem Hügel, vor der Vitrine mit Fotos der Schlingensief-Inszenierung des Parsifal

Sie: "Der Mann da hat ja nur ne Windel an."
Er: "Da fließt bestimmt jede Menge Blut."


09 – 020804 – Hochkulturkampf (Sound of Wagner in the Morning)

2207 h – U2 – Spittelmarkt

zwei Typen …

"Nee, nee … ich steh nich uff Wagner …"
"Aba kennste nich Apokalüpse Nau?"
"Na klar …"
"Siehste …"

––Stimmen? Wir hören hin. Erratik Institut Berlin. Seit 1991.


08 – 230704 – In Vene Veritas

1610 h – Zwei Junkies am Bahnhof Zoo …

Er: "Ick weesz ooch nich wen ick da glaum soll. Wen würds Du'n glaum?"
Sie: "Icke? Na mir …"

––Berlin. Zentrum des Universums. Seit 1991.


07 – 100604 – Lingo-physikalische Niederschläge

nachmittags – Fußgängerzone Wuppertal-Elberfeld

Zwei Mädchen … es fängt an zu regnen.
Das im weißen T-Shirt sagt:
"Du … Schantal … isch werd durschsischtisch …"

––Erratik Institut Berlin. Seit 1991.


06 – 040604 – Lektionen in Psychogeografie

1534 h – beim Mittebäcker SPAR

Waldorfschülerin: "Warum heißen die denn Franz-Brötchen?"
Backwarenverkäuferin: "Weesz ick ooch nich. Die komm aus Hamburch!"

––Berlin. Zentrum des Universums. Seit 1991.


05 – 240504 – Sprachleistung im Psychosozialen Bereich III

1500 h – U-Bahnhof Leopoldplatz

Ein Obdachloser macht sich einigen BVG-Mitarbeitern verständlich (lautstark):
"Ich hab' Therapie gemacht! Mehr als de denkst!"

––Wir achten drauf. Erratik Institut Berlin. Seit 1991.


04 – 120504 – Psychopaläologie (Volksmund)

1435 h – Tram 5 – Landsberger Allee

Älteres Paar steigt ein – sie (empört): "Ich weiß auch nicht, was aus der deutschen Frau geworden ist, dass die alle auf der Straße rauchen müssen."

––Ernsthafte Wissenschaft. Bleibende Resultate. Erratik Institut Berlin. Seit 1991.


03 – 101003 – Sprachleistung im Psychosozialen Bereich II

Heinrich Dubel auf der Buchmesse Frankfurt 2003

Auf die Frage nach einem Rezensionsexemplar des Buches "Der Völkermord an den Armeniern und die Shoah" antwortet die Mitarbeiterin des Chronos-Verlags unvergleichlich charmant: „Sie interessieren sich generell für Völkermord?“ Dubel erwidert eher lahm: "Nur rein wissenschaftlich."

––Ernsthaft und gründlich. Erratik Institut Berlin


02 – 150703 – Sprachleistung im Psychosozialen Bereich

In der Spiegel-TV-Sendung
über Streitfälle zwischen Mietern und Vermietern
wird eine Frau gezeigt, die sagt:
"Wat soll ick'n mit Geld. Dafür kann ick mir ooch nüscht koofen.
Ick versuch schon seit 10 Jahren, mir nen Tisch zu koofen."

––Erratik Institut Berlin. Psychographie seit 1991.


01 – 220403 – Berliner Jugend spricht Psychogeographie

Vor der Schule Gormann- Ecke Weinmeisterstraße ...
Jungs im Streit. Deutlich:
"Irak hat uffe Fresse jekriecht, un' du kannst ooch uffe Fresse kriejen."

––Erratik Institut Berlin. Seit 1991.
> Psycholinguale Miniaturen, Sozio-Poetik, Stimmenhören (nach oben)
> Psychogeografie, -historie, -topografie
> Dokumentation wilder Schriften
> Physiognomik

> RADIODEL
> UFO-Komplex
> Schutheiss-Komplex
> SIMULAZI!
Erratik Instituts Berlin > Home
> Einführung in die Allgemeine Erratik
> Erratische Architekturkritik
> Forschungsgruppe Materialermüdung
> Erratische Naturkritik
> Erratische Hubschrauberforschung

> Medienbeobachtung
> Erratische Weltaufklärungsarbeit
> Nicht lieferbare Titel
> Erratik Institut Jena