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Kontrolle 1 / Kontrolle
Allgemeine Einführung und Übersicht verschiedener Schulen


"Glauben Sie an UFOs?" – Die Frage zeugt als allgemeine, erste Annäherung an die Problematik und Phänomenologie unbekannter Flugobjekte von enormen Potenzialen für die erratische Forschung.

Kommt irgendwo die Rede auf das UFO, wird meist sofort gefragt, ob daran geglaubt wird. Wenn einer nur das Wort benutzt, kommt gleich ein anderer und fragt: "GLAUBST Du an UFOs?" oder "Du GLAUBST doch nicht an UFOs?" Egal, worum sich das Gespräch oder was dreht, sobald einer "UFO" sagt, fragt ein anderer nach dem "Glauben daran". Automatisch. Die UFO-Frage scheint also zunächst eine Glaubensfrage zu sein, selbst wenn sie von einem Skeptiker (oder wie der UFO-Apologet sagt: einem Zweifler oder Ungläubigen) gestellt wird.

Wie lässt sich nun eine derartige Frage beantworten? Ist es sinnvoll zu sagen: "Ja, ich glaube, es gibt fliegende Objekte, die unbekannt sind" oder: "Ja, ich glaube diese unbekannten Objekte fliegen", oder: "Nein, ich glaube nicht, dass es sich um Objekte handelt"? – Vielleicht sollte die Frage anders oder eine ganz andere Frage gestellt werden. Was ist mit Kenntnissen, derer man sich nicht bewusst ist? Unbewusstes Wissen. Gibt es so etwas überhaupt? Oder umgekehrt: wovon ist man überzeugt, ohne es wirklich zu wissen? Um was geht es also?

Vielleicht sollte nach dem Ort des UFO gefragt werden, der ja sowohl der universale Welten- und Luftraum wie auch der geistige Bereich der Fantasie zu sein scheint. Dorthin werden wir zu verreisen suchen, doch später erst.


Die technische Seite

Das UFO (für Unknown oder Unidentified Flying Object) ist zunächst ein technisches Akronym, das einen unbekannten, also nicht-identifizierten Flugkörper in einem beobachteten, etwa mittels Radar elektronisch überwachten Luftraum bezeichnet.

In einem kontrollierten Flugraum stellt alles Unbekannte zunächst eine mögliche Bedrohung dar, für die zivile Luftfahrt in einem "freien" aber hoheitlichen Luftraum ebenso wie für miltärische oder sonstige Luftsperrgebiete. Für die Flugsicherheit (oder Luftverteidigung) sind genaue Kenntnisse darüber, was (oder wer) in diesem Luftraum unterwegs ist, von grundsätzlicher Notwendigkeit.

Nach dem Motto "Gefahr erkannt – Gefahr gebannt" wird ein nicht eindeutig identifiziertes (wer? wohin?) Flugobjekt zunächst als unbekannt oder unidentifiziert eingestuft. Als nächstes wird man versuchen, es zu identifizieren. Zivile und militärische Air Traffic Controller (Fluglotsen) werden telefonieren und versuchen, mit dem UFO oder Luftfahrzeugen, die sich eventuell in der Nähe befinden, Kontakt herzustellen. Diese werden auf die Anwesenheit des UFO hingewiesen und um eine Sichtmeldung gebeten. Wenn ein UFO eine Hoheitsgrenze oder ein Sperrgebiet verletzt, werden Abfangjäger aufsteigen und versuchen, es zu identifizieren, das heißt, sich soweit anzunähern, bis Sichtkontakt hergestellt werden kann. Wenn dies geschehen ist, wird in den allermeisten Fällen aus einem UFO ein IFO, ein Identifiziertes Flugobjekt.

Es ist eine Anzahl von Zwischenfällen bekannt, bei denen Piloten Sichtkontakt mit einem UFO hatten und nicht in der Lage waren, es zu identifizieren oder überhaupt konkret festzustellen, was sie sahen. Piloten berichten von Sichtkontakten, ohne das entsprechende Signale auf den Radarschirmen zu verzeichnen gewesen wären. Und wieso auch nicht? Der Himmel – der LUFTRAUM – ist voll von potenziell unbekannten Flugobjekten. Das ist eine ganz allgemeine Feststellung. Es ist einfach so, dass nicht jeder jederzeit alles erkennen und benennen kann, was da tatsächlich unterwegs ist. Selbst einem professionellen Beobachter, bestens ausgebildet und trainiert, versiert und erfahren, sei es ein controller, ein Meteorologe, ein Ornitologe vielleicht, mag in seltenen Momenten das unbekannte Fliegende begegnen.

Viele Sichtungen können identifiziert werden: Als Planeten, Sternenlicht, Luftspiegelungen, meteorologisch-optische Effekte, Aurora Borealis (das Nordlicht), Erdbebenlichter, Sternschnuppen. Als Flugzeuge, Ballons, vom Wind umhergewirbelte Silberpapier-Reste. Als Kugelblitze, Elmsfeuer oder Wolken. Als der teilweise von Nebel bedeckte Mond. Als brennende Ölquellen, zur Erde stürzende Satelliten, Fallschirme, Raketentests, Reflektionen von Suchlichtern, Vögel- oder Insektenschwärme. Als Spielzeugdrachen, Luftschiffe, Seifenblasen, Kondensstreifen. Als Feuerwerk, Leuchtkäfer, Augenfehler und Löwenzahnsamen. Als Windhosen, die Staub verwirbeln, und als Regenbögen. Als der Planet Venus, der in der Statistik führend ist als natürliche Ursache von UFO-Sichtungen. Jedoch, um solche zumindest zeitweise unbekannten, letzlich aber identifizierten "Flugobjekte" soll es hier gar nicht gehen. Denn die Natur des UFOs ist komplexer als es die Naturwissenschaften zulassen.


Die andere Seite

I want to believe. Ein ernsthafter Blick auf einige "Wahrheiten" wird die Vergangenheit als Sprungbrett in ein Unbekanntes zeigen, das zuweilen das ganz große Bild zu sein scheint und manchmal der "pure Quatsch". Ob man "dran glaubt" oder nicht: Außer in einer Unzahl von Filmen, auf T-Shirts und Tassen, Plattencovern und Partyleuchten existiert das UFO auf jeden Fall und "ganz wirklich" in den Köpfen der true believer, und das ist ja nun mal entgegen allem Anschein keine komplette Nicht-Existenz.

Es soll hier nicht belegt werden, was nicht belegt werden kann: etwa die Existenz von Aliens oder Alienraumschiffen, von Wesen aus anderen Dimensionen oder Galaxien. Es soll nicht erklärt werden, dass der moderne Mensch sich selbst entfremdet oder wer für die Kornkreise verantwortlich ist, oder dass die Aufmerksamkeit, die eine Gesellschaft dem gelehrten, gelernten, jedenfalls irgendwie intelligenten Umgang mit ihren spirituellen Bedürfnissen zukommen lässt, Auswirkungen auf die geistige Gesundheit dieser Gesellschaft hat. Das mag alles sein wie es ist, oder wie es zu sein scheint, und ist längst anderswo beschrieben. Uns interessiert es allenfalls am Rande. Weil wir verreisen wollen: "Welcome aboard NWO Flight 666 … Supersonic Service to Nueva Suabia".

Kommen, sehen und erleben Sie die reiche und zu Zeiten gefährliche Fantastik des UFO-Gedankens, seine Vielzahl von Wucherungen und Niederschlägen, seine Ausdehnung im Diskurs des Irrationalen, seine immer auch gewaltige Anziehung oder Traktion hin zur dunklen Seite der Macht oder des menschlichen Bewusstseins, als Geschichte (Erzählung) der Geschichte (Historie) des UFOs, für die Form und Varianz dieser Geschichte als Ausdruck von Fantasie und Wahn. Das UFO ist der perfekte Flugkörper im Arsenal der Mythologien. Als Vehikel, passage way und Reiseziel ist sein poetischer content – die Essenz allen romantischen "Wünschen-Wollen-Seins" – von makelloser Trinität.

Die Ansicht, dass das UFO trotz allem, was es für das menschliche Streben nach Erkenntnis getan hat, keine Methode ist, die Natur des Universums akkurat zu beschreiben, wird auf die gegenteilige Meinung treffen: Dass das UFO ein echtes und wirksames Vehikel sei, diese Natur zu erfahren und Möglichkeit zu erlangen, das Universum zu beinflussen, wie es sich die "Wissenschaft in ihren kühnsten Träumen nicht vorzustellen wagt".

Das Zwielicht zwischen Fakt und Fiktion, in dem sich das UFO bewegt, ist ein höchst fruchtbares Terrain für die Kultivierung mythologischer Bilder und ihre subsequente Installation im kollektiven Bildspeicher. Es verdient unsere Aufmerksamkeit, da es längst einen festen Platz in der Geschichte des Zwanzigsten Jahrhunderts eingenommen hat. Sein Licht ist vielleicht das einzig echte twilight of the gods, dass wir jemals kennen werden. Beziehungsweise eben nicht. Die religiöse Komponente des UFO-Diskurses ist beachtlich, nicht überraschend in Anbetracht der menschlichen Natur, die ganz verliebt ist in Spiritualität und das Mysterium, was ernsthaft hinderlich sein kann bei der Suche nach Wahrheit, besonders nach "historischer Wahrheit".

Phänotypische Verwerfungen, wie sie etwa das Nazi-UFO darstellt und weiterverursacht, sind schon deshalb von Interesse für die Erratik, weil keine andere Disziplin bereit ist, sich ernsthaft mit systematischer Unschärfe zu beschäftigen, die – verkleidet mit einem Habitus der Wissenschaftlichkeit – einen subversiven und zugleich hermetischen Sound erzeugt.


Dennoch! Übereinheitsenergie ...

In einer Gratwanderung zwischen Empirie und Esoterik, zwischen Auf- und Verklärung, zwischen Freiheitsbewegung und Bewegungsfreiheit werden konventionelle Mythen zerstört und ein Versuch zur Imagologie des UFOs angelegt, sowie zu einem Bildatlas der Geisterlandschaften, in denen es unterwegs ist. Ein Gesamt-UFO (∞) wird erzeugt, dass es zu bestaunen und vor dem es zu erschrecken gilt. Wir zeichnen nach, was nur wenige seriöse Wissenschaftler zugeben: dass es sich bei dem UFO-Phänomen überhaupt um ein bisher nicht zufriedenstellend erklärtes Problem handelt. Die Mehrheit bestreitet überhaupt die Existenz irgendeines Phänomens. Aber: "Die Logik ist machtlos gegen die anhängliche Liebe (des menschlichen Geistes) zur Fiktion", kommentierte Trevor-Roper den Mythos, Hitler habe das Kriegsende überlebt und sei unversehrt entkommen. Gleich masselosem Verdrängungsstrom erobert das UFO das raumlose Reich des Himmels, und wird zum Signifikanten eines neuen, höheren Ungewissheitsgrades.

Manche werden sich manches nicht erklären können auf unserem Trip in die > Heutemorgengesternwelt, es fehlt ihnen an Erfahrung oder Wissen, etwas ist zu ungewöhnlich oder außerordentlich, zu sehr jeder Erklärung spottend. In solchen Fällen appliziert der "wache Verstand" Erklärungsmuster, und zwar unabhängig davon, ob diese Muster wirkliche Erklärungen konstituieren. Bei der vorliegenden Verschränkung von Fakt und Fiktion wird mancher an Bodenhaftung verlieren und glauben, der Text sei "unglaubhaft", weil von bizarren Annahmen die Rede ist, für die es "kaum" Beweise gibt. Das ist Pech, kommt aber immer wieder vor. Die Beschäftigung des Forschers mit dem Irrationalen hat häufig zur Folge, dass das Publikum reflexartig den Forscher mit dem Irrationalen identifiziert und spontan in "Gläubige" und "Skeptiker" zerfällt. Apodiktisch heißt es dann: "Er hat UFO gesagt." Aber: Bei unserer Reise ins absolut Anderswärtige kann die Energie aus diesem Zerfallsprozess zum Betrieb einer erratischen Analysemaschine verwendet werden, die den Text des der Alltagsrationale scheinbar entlegenen (Un)Bewussten lesen kann und liest, etwa in der hyper-paranoiden Glossolalie phänomenal-sensitiver Stimmenhörer, Visionäre oder Medien. Der rationale mind vermag diesen Text ohne maschinelle Hilfe nicht ohne weiteres zu entziffern, obwohl alle Anlagen dazu eigentlich vorhanden sind, und die bekannte Symbolik aus einer Zeit stammt, als Sprache und durch Sprache evozierte Bilder noch unmittelbar sozio-ontologische Bedeutung und Gewicht hatten … und es sich NICHT um eine "gut gemachte" Kampagne für einen Turnschuh handelte.

If light is really dark,
and crows can sing like lark,
then winter feels like spring.
You don't know ev'rything.

––Jade Blue Afterglow


Pseudo science versus science fiction

Das UFO ist ein faszinierendes und utopisches Konzept. So sparsam es an Neugier oder Argwohn der Wissenschaftler rührt, so drangvoll greift es nach dem Gemüt "gewöhnlicher" Sterblicher und den Herzen der Künstler.

Der zunächst interplanetarische, bald interstellare oder außergalaktische Weltenkreuzer ist von Beginn auch ein Gefährt der Populärkultur, die immer wieder reale Bemühungen um die bemannte Raumfahrt romantisiert, überzeichnet und oft genug auch vorweggenommen und sogar beeinflusst hat. So entstammt der weltweit gebräuchliche countdown bei Raumflugstarts ("T minus 10, 9, 8, …") Fritz Langs Film Die Frau im Mond. Fritz Lang "weiß, was kommen wird", er ist ein Ragender im Zauberreich der Phantome (und Mörder), einer der wie der Held Slothrop aus Thomas Pynchons Gravity's Rainbow fühlen kann, "wie sie kommen, ganze Tage im voraus. Aber es ist ein Reflex, ein Reflex auf etwas, das schon jetzt in der Luft liegt. Etwas, für das unsere Sinne viel zu grob sind.” (GR, dt. Ausgabe, FfM/1994, S. 81).

Zunächst existiert da eine entgegen aller Offenkundigkeit seltsam unbestimmte kulturhistorische Perspektive, die sich aus überlieferten Beschreibungen von merkwürdigen Himmelserscheinungen ergibt, aus solchen von leuchtenden, feurigen, furchterregenden, fliegenden Wagen, Rädern, Scheiben oder was. Viele dieser Formen sind weit älter als das Alte Testament. Überlieferungen und religiöse Texte der alten Schriftreligionen bieten selbst bei vorsichtiger Analyse und radikaler Auslese und Kategorisierung überreichlich Material, um das UFO als ständigen Begleiter des Menschen durch dessen Geschichte zu qualifizieren. Es gibt auch Artefakte. Natürlich wurde noch nie ein Bauteil gefunden, eine Schraube oder ein Flux-Kompensator (obwohl "Artefakte" als solche gehandelt werden), dafür aber reichlich Tonscherben mit Ritzzeichnungen, Steine, Glyphen. Dieses "historische" UFO ist in der > Historia Gaga Gegenstand einer großzügigen Gesamtschau der vorzeitlichen Himmelsgestalt und vom Flugscheibenwesen des Altertums.

In > Schrauben, Drähte, Strom wird das UFO abgebildet, wie es sich erstmals zeigt, als gegen Ende des 19. Jahrhunderts neue Technologien den Raum des Menschen und damit sein Bewusstsein zu erobern beginnen. Aus den geheimnisvollen Luftfahrern der vorletzten Jahrhundertwende wird, mit einer Zwischenphase sonderbarer Erscheinungen in beiden Weltkriegen, am Ende des Zweiten Weltkriegs das intergalaktische Weltenschiff. Seither ist der Begriff UFO weitestgehend synonym mit dem der "Fliegenden Untertasse". Die Rede vom "Alien-Raumschiff" entwickelt sich zügig, was sich in dem Kapitel > E.T. ≠ Emergent Technology niederschlägt. Das "moderne" UFO erlangt eine bis dahin nicht gekannte, weltumspannende Popularität – und es verdoppelt sich sogleich um einen dunklen Widergänger, eine Schattenidentität, zum Nazi-UFO, das als > Jenseitsflugmaschine aus der Vergangenheit heraufdämmert und die Zukunft zu transzendieren sucht.

Begleitet und befördert wird das scheinbar um jegliche Herkunft verlegene Phänomen von den Erzeugnissen einer ausufernden "neuen" wissenschaftlich-religiös-okkulten "Literatur" … Bücher, Magazine, pulp comics sowie entsprechenden Filme. In > Ektoplasmaschinen folgen wir diesem Text with an attitude, nach Österreich und Hollywood, nach Turin und Mitteldeutschland, nach überall und anderswo. Einer Psychogeografie des UFOs und der mythischen Kontinente nähern wir uns in > Die verlorenen Städte. Wir zeigen, wie – zu politisch-parasitären Zwecken – die Fantasie als Hort des Loki disneyfiziert werden kann.

"Also los los, rein in die Kombination.
In die Kombination muss man leicht reinkommen.
Die Brillen müssen eng anliegen."
––Quax (Heinz Rühmann), Quax – der Bruchpilot


Otherworld Airline

Das "Glaubens"-Problem hat sich verlagert in die "weiterdenkbaren Weiten des Denkbaren", von der Auseinandersetzung mit der Summe der Einzelfälle bekanntgewordener UFO-Sichtungen hin zu der Frage, ob es Außerirdische gibt oder nicht, und darüberhinaus auf das Gebiet persönlicher spiritueller Erfahrung, und der Frage nach Gott – oder dem Bösen. Und obwohl selbst die seltsamsten Fremdlinge noch aus den zwar unendlichen, aber doch physikalischen Tiefen des Kosmos zu stammen scheinen, gerinnen mit der immer umfassender werdenden Popularität einer modernen Spökenkieker-Literatur Erklärungsmuster, in denen Aliens keine zwar fremdartigen Kreaturen mehr, jedoch noch immer Kreaturen sind, sondern nunmehr ihrerseits Götter, Gottmenschen, Lichtwesen oder Zivilisationengründer. Das UFO und eine Vielzahl seiner Insassen, die als "Religionenstifter" auftreten, werden im Kapitel > 2cornot2c.God rides a Flying Saucer behandelt, von wo aus es dann nur noch eine kurze Distanz ist, um auf dem unübersehbaren Feld des esoterischen UFOtums und anverwandter Gebiete zu levitieren, dorthin, wo es unmöglich ist, nicht auch sofort auf Vampire und Mottenleute zu stoßen, auf Engel, Teufel, Feen und Kobolde, schwarze Männer, Psychoide, Insektoide und Archetypen, oder auf die Bewohner ungezählter fandoms und mikromakros. Das Spektrum reicht von der weltweiten Gemeinschaft der Trekkies, den Anhängern der TV-Serie Star Trek, deren Aktivitäten bis zu einem gewissen Grad freizeitlich geprägt sind, die sich bei regelmäßigen Treffen in der Fertigkeit künstlicher Sprachen messen, die innerhalb des Star-Trek-Universums gesprochen werden, etwa das "Klingonisch". Dem gegenüber stehen Gruppen wie die "Himmelstor"-Leute (Heaven's Gate), die sich in Erwartung der bevorstehenden Apokalypse und in der Hoffnung, von einem außerirdischen Mutterschiff in die Weiten des Alls gerettet zu werden, wenn sie sich nur ihrer irdischen "Container" (sprich: Körper) entledigten, gemeinschaftlich mit Gift selbst töteten. Überhaupt finden sich bei den UFO-Gläubigen reichlich alternative Schöpfungs- wie auch Untergangsmythen und Parallelkosmogonien, welche die Überlieferung und das "Artefakt" mit nacherfundenen Glaubenssätzen verbinden, interpretieren und deuten. Dabei ist eine Kategorisierung entlang einer sinnfälligen Zeitlinie, wie sie in den hier verwendeten und semi-linear gedachten Zuschreibungen Zeitraum versus Raumzeit oder Kontrolle, Ordnung, Hardware etc. entwickelt werden, nur gerade brauchbar, um bei einem so deutlich unscharfen Oberbegriff wie dem des UFOs eine erste Ordnung und Übersichtlichkeit zu schaffen.

Sämtliche Szenarien beziehen sich mehr oder weniger stark auf alle anderen Szenarien, denn allen gemeinsam (f)liegt das Unbekannte zu(grunde), in diesem Fall eben das Unbekannte Flugobjekt. Manche unterscheiden sich nur in Details, die für den Uneingeweihten oft unsichtbar bleiben, während andere grundverschiedener nicht sein könnten. Es lassen sich immerhin generell und stark vereinfacht allgemeine Grundhaltungen oder Schulen darstellen.


Schulen

Pro Alien – UFOs sind real existierende Flugmaschinen, gebaut und gesteuert von Außerirdischen, die von ganz unterschiedlicher Herkunft sind und die Erde in verschiedenster Absicht besuchen. Gute und böse Außerirdischen-Rassen liegen miteinander im Streit, koalieren untereinander oder mit diversen Fraktionen innerhalb der diversen Elitenstrukturen der Erdbewohner, denen sie zum Preise unerhörter Gefälligkeiten Zugang zur Alien-Technologie ermöglichen.

Pro Geheime Technologie – Untersuchungen des Unerklärten fördern oft genug Dinge zutage, die im Prinzip noch ungewöhnlicher sind als die ursprüngliche Legende oder eine wilde Fantasie: UFOs sind real. Es handelt sich jedoch um von Menschen geschaffene, geheimgehaltene Technologie.

Pro Unbekannte Psychokosmologie – UFOs sind real, aber nicht in einem physischen Esxistenzrahmen, oder zumindest nicht in den Dimensionen, in denen wir Menschen uns bewegen. Es handelt sich vielmehr um Manifestationen des kollektiven Unbewussten, um Emanationen von Archetypen, wie sie von Jung und so weiter beschrieben wurden. Besonders eine Analyse der Präsentation jener Geschehnisse und Auswirkungen, die in den 1980er Jahren aus Russland beziehungsweise der inzwischen vergangenen UdSSR bekannt wurden, scheint diese Theorie zu stützen. Andere Erklärungen umfassen Massen-Halluzinationen, Autohypnose, Brüche oder Überschreitungen von Dimensionen-Barrieren, Auswirkungen "spiritueller Natur", also UFOs als Ergebnis magischer Beschwörungen oder als Erscheinungen aus der Gegenwelt der Elfen, Trolle und dergleichen, wobei die Existenz jener Gegenwelt zum Teil mit denselben Argumenten erklärt wird, also als Manifestation des Unbewussten, der Archetypen, Brüche oder Überschreitungen der Dimensions-Barrieren usw.

Rationalistische Anti-UFOlogie – UFOs sind nicht real, vielmehr Einbildung, Fälschung, Volksverdummung. Die Vertreter dieser Schule sind die sogenannten debunker (engl.: to debunk, vom Podest stoßen, den Nimbus nehmen). Sie suchen, das Unerklärte durch das Bekannte, also mit Hilfe wissenschaftliche Erkenntnis und Methodik, zu erklären, oder wie die believer zu sagen pflegen: "wegzuerklären". In den meisten Fällen scheint den Debunkern dies zu gelingen. Debunker stehen häufig in dem Ruf, im Auftrag derjenigen zu handeln, die die Existenz von UFOs geheimhalten wollen, also Handlanger von geheimen Untergrundregierungen zu sein.

Pro Psychophysiologie – UFOs sind nicht real, sondern unter bestimmten, einander ähnlichen, physikalische messbaren Bedingungen vom menschlichen Gehirn erzeugte Muster. Die Ähnlichkeit oder Universalität der Details von UFO-Erzählungen basiert auf der generell übereinstimmenden Funktionsweise der Erzeugerorgane, den menschlichen Hirnen. Wenn diese Erkärung zutrifft, unterscheidet sich das UFO nicht von gewöhnlichen Gespenster- oder "religiösen" Erscheinungen wie die der Jungfrau auf dem Felde oder des Heiligen am Wegesrand.

Neuere Experimente der 2000er Jahre ergeben, dass close-encounter-Erlebnisse unter Laborbedingungen erzeugt werden können, mit Hilfe schwacher elektromagnetischer Felder, denen die Hirne der Versuchspersonen während des Experiments ausgesetzt sind. Die Beschreibungen des Gesehenen entsprechen den Beschreibungen von > Begegnungen der Dritten Art, allerdings finden sich hier keine religiösen, folkloristischen oder UFOlogischen Erklärungsversuche, da den betreffenden Personen bewusst war, dass sie an einem Experiment teilnehmen und das Wahrgenommene aus diesem Experiment rührt.

Wieder andere Neurophysiologen beobachten die Gehirne von Nonnen während intensiver Nah-GOtt-Erfahrungen, und die Gehirne von buddhistischen Mönchen, die sich in eine meditative Einheit mit dem Universum begaben. Alle zeigen ein deutlich ähnliches Muster von Hirnaktivität.
Begleitende statistische Auswertung deutet auf gehäuftes Auftreten von drastisch veränderten Hirnstrom-Mustern bei Personen, die als Folge von Stromunfällen oder Blitzschlägen von Begegnungen der Dritten Art berichten. Gut möglich, das Erfahrungen des ganz Anderen als Ergebnis elektrischer Impulse in bestimmten Hirnregionen auftreten, und dass diese Hirnregionen nicht nur selbst aktiv, sondern unter bestimmten Vorbedingungen von externen Magnetfeldern beeinflusst werden können. Bestimmte Witterungsbedingungen in Verbindung mit einer spezifischen Mineralität der Geographie bestimmter Gegenden (der Esoteriker spricht von "Erdstrahlen") oder in bestimmten Gebäuden können temporäre Magnetfelder erzeugen. Ohne dass hier "harte Beweise" vorliegen, handelt es sich um eine elegante rationale Erklärung für häufiges Auftreten ungewöhnlicher "Erscheinungen" am selben Ort, aber wahrgenommen von verschiedenen Leuten, zu unterschiedlichen Zeiten. Selbstverständlich sollte man darüber nicht die Kraft der Erwartungshaltung in Verbindung mit der autosuggestiven Fähigkeit des Individuums vergessen.

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> Hardware 1 / Schrauben, Drähte, Strom
> Hardware 2 / "I am John From!"
> Hardware 3 / White Man on the Moon – Wie die NASA planlos Geld verschwendet

> Kontrolle 2 / Ektoplasmaschinen: Der Text der Welt als Angstpop
> Kontrolle 3 / Gräber – Was die anderen schreiben ...
> Ordnung 1 / Die Erfahrung des Faktischen
> Ordnung 2 / 2cornot2c.God rides a Flying Saucer – Das UFO als Religionenstifter
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> Raumzeit 1 / "Noch fließt der alte Brunnen."
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