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Ordnung O3328, Verdichtung V2103

Belluzzo, Giuseppe
Miethe-Belluzzo-Flugscheibe



Im absolut Andersartigen ist Eindeutigkeit ein rares Gut. Die hier links stehenden Abbildungen zeigen zwei Varianten der sogenannten Miethe-Belluzzo-Flugscheibe. Das Projekt wird in einigen Nazi-UFO-Foren (NSUFOR) auch als > RFZ-7 oder V-7 bezeichnet, wodurch es mit dem Projekt > VRIL 7 identifiziert wird. Miethe wird zudem nicht nur in Dresden und Breslau verortet, sondern ebenso bei Skoda (bzw. BMW) in Prag.

Wie wir gesehen haben, weist oberste Zeichnung eine starke Ähnlichkeit mit dem bemannten > V1-Typen Reichenberg auf. Dabei und bei der darunter gezeigten Draufsicht handelt es sich um eine "realistische" Rekonstruktion durch den Flugscheibenspezialisten Klaus-Peter Rothkugel, die auf einer Darstellung des Flugscheibenspezialisten Georg Klein basiert (ebenfalls hier links, drittes und viertes Bild von oben), die dieser vermutlich am 16. Oktober 1954 im Schweizer Tages-Anzeiger veröffentlichte, was hier bisher noch nicht verifiziert werden konnte.

Projektleiter bei der Miethe-Belluzzo-Flugscheiben-Unternehmung ist der Ingenieur und vielleicht Professor Dr. Heinrich Richard (oder kurz) > Richard Miethe. Viel ist nicht über ihn bekannt. Gernot Geise schreibt in Geheime Antriebe im 2. Weltkrieg (EFODON-SYNESIS Nr. 4/2006), wobei er sich auf Gehrings und Rothkugels Flugscheiben-Mythos bezieht: "Dr.-Ing. (!) Richard Miethe arbeitete in Dresden und ab 1943 in Breslau an einem scheibenförmigen Fluggerät, das abgesaugte Luft für einen eventuell atomgetriebenen Dampf- oder Strahlantrieb nutzen sollte. Bereits 1942 fanden Besprechungen um die technischen Fragen des Wärmeübergangs von Uran auf Wasser statt. Die Erforschung atomarer Raketenantriebe begann im Oktober 1942 bei der Forschungsanstalt der Deutschen Reichspost."

Das ist interessant. Tatsächlich gab es in Zeuthen-Miersdorf eine Reichspost-Forschungsstelle, die einen eigenen Reaktor betrieb und mit Kernspaltung experimentierte. Ob es dabei allerdings um Raketenantriebe ging? Damit hätten die Postler immerhin, wenn es denn wahr wäre, die Anstrengungen der Männer um Wernher von Braun und Walter Dornberger gewaltig in den Schatten gestellt. Denen war nämlich am 3. Oktober 1942 der Start eines A4-(V2)-Aggregats gelungen, das erstmals eine Gipfelhöhe von 84,5 Kilometern (bei einer Reichweite von 190 Kilometern) erreichte und als das erste von Menschenhand gebaute Gerät gilt, das den Weltraum erreichte. Um das Bild zu vervollständigen: Die Schlacht um Stalingrad war zu diesem Zeitpunkt bereits in vollem Gange. In Nordafrika beginnt die zweite Schlacht um El Alamein und damit die finale Offensive der Aliierten auf diesem Schauplatz. In Bremen wird der spätere Schauspieler Manfred Zapatka geboren (Das Himmler-Projekt). Ebenfalls im Oktober 1942 geboren werden die Schauspielerinnen Britt Eklund und Irm Hermann.

Doch zurück zur Flugscheibe. Der zweite im Bunde ist der italienische Ingenieur und Politiker Professor Dr. Giuseppe Belluzzo, von den Illiteraten der NSUFO-Szene auch als "Bellonzo" oder "Belutzo" verballhornt. Giuseppe Belluzzo wurde 1876 in Verona geboren. Er lehrte Ingenieurswissenschaften in Mailand und Rom. Als Fachmann für Turbinenantriebe veröffentlichte er mehr als 50 Bücher. Seine Entwicklungen trieben Lokomotiven und später Schlachtschiffe und Kreuzer an. Von 1925 bis 1928 war er Minister für Nationale Ökonomie unter Mussolini. Zwei Jahre vor seinem Tod im Jahr 1952 verkündete Belluzzo, er habe tatsächlich Entwürfe für turbinengetriebene Flugscheiben zu Papier gebracht. Der Bericht wurde vom Corriere della Sera, der Nazione, dem Messaggero, der Stampa und der Gazzetta del Popolo gebracht, von einigen sogar auf den Titelseiten. Seine Enthüllungen erschienen gerade rechtzeitig zur ersten großen italienischen UFO-Welle im Frühjahr 1950. Eine detaillierte Skizze wurde im März 1950 vom Mattino dell'Italia Centrale gedruckt. Dabei handelte es sich jedoch weder um die spätere Miethe-Belluzzo-Flugscheibe noch um jenes Modell, das als > VRIL 7 bekannt werden würde und an dem Belluzzo zusammen mit Miethe gearbeitet haben soll, bevor er nämlich nach Italien zurückberufen wurde, um ein italienisches Kreisflügelgerät zu bauen, das als "fliegende Flugabwehrkanone" eingesetzt werden sollte, und um diese Pläne eines turbinengetriebenen Kreiselflugzeugs handelte es sich also bei denen hier links (an dritter Stelle, darunter die Titelseite des Mattino dell'Italia Centrale) gezeigten. Der Mattino dell'Italia Centrale berichtet schon in der Überschrift, dass "bereits 1942 Hitler und Mussolini Versuche mit 'Fliegenden Untertassen' durchführen lassen hätten, die Ferngeschosse tragen sollten". Obwohl im selben Artikel ein Statement des Generals der italienischen Luftwaffe (Aeronautica Militare Italiana) Ranza die Geschichte als unwahr zu erkären sucht, erscheint einige Tage später in dem eher obskuren Magazin Il Giornale dell'Emilia ein Leserbrief, in dem ein Signore Lino Saglioni schreibt, die Belluzzo-Geschichte sei wahr, weil nämlich er, Saglini, für ein britisches Kommandounternehmen trainiert worden sei, das nach Nordost-Norwegen vordringen sollte, um die dort nach dem italienischen Design durchgeführten Flugscheibenversuche der Deutschen zu unterbinden. Er habe dann doch nicht an dem Unternehmen teilgenommen, welches im Übrigen nicht erfolgreich geendet habe, da alle eingesetzten Briten ums Leben gekommen seien. Ob sie dabei wenigstens die Flugscheibenunternehmungen der Deutschen haben stören können, bleibt unbekannt. Der italienische UFOloge Renato Vesco spekuliert nun, bei dieser norwegischen Operation sei die Rede recht eigentlich von der Basis der deutschen Maschinen > Kugelblitz bzw. Feuerball, von denen wir wissen, dass es sich bei ihnen um zwei unterschiedliche Modelle eben jenes kreiselstabilisierten Absaugeflugzeug mit Flüssiggas-Nuklear-Antrieb handelte, an dem Dr. Miethe in Breslau und Dresden oder in Ziethen-Miesdorf schraubte, und das später als Foo Fighter in die UFOPOP-Geschichte eingehen wird. Die Geschichte von Belluzzo und Saglini wird weiterverbreitet vom Science-Fiction-Autor und Raketenamateur Alberto Fenoglio, der sie in der Zeitschrift der 1898 in Turin gegründeten Agenzia Letteraria Internazionale veröffentlicht, und zwar ausdrücklich unter dem Aspekt ihrer Falschheit. Fenoglio führt außerdem historische Fälschungen und (damals) aktuelle russische "Vorfälle" auf (Belluzzo spricht in seinem Interview von einem deutschen Ingenieur namens Kurt Schnittke aus Regensburg, der nach dem Krieg nach Russland "ging". Womit auch nach dort eine direkte Verbindung hergestellt war. Von Richard Miethe spricht Belluzzo dagegen nicht). Alberto Fenoglio befasst sich mit dem Thema bis Ende der 1950er, als zuletzt ein Artikel im Sci-Fi-Magazin Oltre il Cielo (Jenseits des Himmels) erscheint.

Der ursprüngliche Belluzzo-Artikel wurde am 24. März 1950 als Associated-Press-(AP)-Meldung europaweit verbreitet. So ist es möglich, wenn auch nicht verifizierbar, dass er Einfluss auf die nur Tage später am 30. März im Spiegel und am 2. April 1950 in Heim und Welt erscheinende Geschichte des deutschen Rudolf Schriever nahm, womit die Welle Deutschland erreichte. Schriever gilt als Erfinder des > Flugkreisels. Er trug weit stärker als Belluzzo zur Mär vom NSUFO bei.

Abschließend bleibt anzumerken, dass sich die für die reichsdeutsche Rüstungswirtschaft wichtigen Anlagen, die von norwegischen Widerstandskämpfern mit Hilfe britischer Agenten angegriffen wurden, nicht in Nordost-Norwegen befanden, sondern in Süd-Norwegen. Es handelte sich um Anlagen zur Produktion Schweren Wassers in der Telemark und im Hordaland. Narvik, der Schauplatz einer bedeutenden Seeschlacht und umfangreicher alliierter Landeoperationen in Nordwest-Norwegen, war als Hafen für den Erztransport aus Schweden von Bedeutung, jedoch ebenfalls nicht als Operationsbasis von Flugscheiben.
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Rekonstruktion der Miethe-Belluzzo-Scheibe nach Rothkugel
Rekonstruktion der Miethe-Belluzzo-Scheibe nach Klein
Angebliche Belluzzo-Skizze für ein turbinengetriebenes Kreiselflugzeug, veröffentlicht im Mattino dell'Italia Centrale im März 1950 (Titelblatt hier unten)
Artikel aus dem Mirror vom 24. März 1950, in dem die Belluzzo-Story aus der italienischen Presse übernommen wird.
> O3328, V2103 Belluzzo, Guiseppe, Miethe-Belluzzo-Flugscheibe (nach oben)
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