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Raumzeit 21

Peenemünde – Arkadien am Ostseestrande

"Und der Sturm setzte nicht mehr aus;
es tönte und donnerte,
als sollte die ganze Welt
in ungeheurem Hall und Schall untergehen"
––Der Schimmelreiter, Theodor Storm


Film- und andere Dokumente legen nahe, dass die frühen deutschen Raketenpioniere gern in Gewässernähe zum Abschuss baten, mal am Tegeler See in Berlin, mal irgendwo an der Ostsee. Das hatte zunächst praktische Gründe, konnte ein im Wasser niedergehendes Strahlfluggerät doch kaum Schaden anrichten.

Tatsächlich ist häufig eine Kamera dabei. Auch das hat praktische Gründe. Der Robert-Bramkamp-Film Prüfstand 7 zeigt eine Szene, in der ein mittlerweile beinahe in Vergessenheit geratener deutscher Pionier namens Tilling seine Rakete an den Start bringt. Der Film zeigt aber noch mehr, nämlich die ausgelasse Stimmung. Über der Szene liegt ein Flair von Wochenendausflug, von Sommerfrische. Als Basislager dient ein Strandhäuschen. Zur Truppe gehört eine Dame, die – gewandet in ein luftiges Freizeitkostüm à la mode – die elektrische Zündbox bedient.

Ist dieses unbeschwert-lockere und freizeithafte Gebaren eine Spur, die uns zu tieferen Einsichten in esoterische Zusammenhänge in Wirken und Werk der technokratischen Avantgarde verleiten kann? Bei > Jack Parsons haben wir den Explosivstoff bereits als Stimulanzium hedonistischer Provenienz kennengelernt? Gibt es eine Verbindung zum Mords-Raketenspaß am Ostseestrande?


Raketenfieber on the beach

Die vorpommersche Ostseeküste gehört zu den romantischsten Landschaften, die deutscher Geist als solche zu erkennen vermag. Über Jahrhunderte wandelt die Küste ihre Gestalt. Beharrlich verrichten die Wassermassen der Baltischen See ihr Werk, brechen hier ab, glätten, überschwemmen, spülen dort an, schaffen neue Inseln, verbinden andere mit dem Festland. Wilde Steilküsten, das besondere Licht, das Zusammenfließen von Himmel und Meer, die Landschaft, die in ihrer Kargheit eine eigentümliche Würde ausstrahlt, sind wie geschaffen für eine romantisierende Innerlichkeit, und inspirieren ganze Malergenerationen zur Darstellung des Naturschönen.

Oberforstmeister Bernhard von Bülow sorgt 1820 für eine touristische Erschließung Usedoms. Zu pittoresken Fischerdörfern gesellt sich entlang der feinen weißen Sandstrände mondäne Bäderarchitektur. Ausufernde Jugendstilphantasien zwischen Heringsdorf, Ahlbeck und Bansin bringen der Gegend den Beinamen "Riviera des Nordens", oder prosaischer den einer "Badewanne Berlins". Kaiser und Konsorten lustwandeln im Scheine wilhelminischer Pracht und traditionell treibhaus-schwülen Pomps. 1923 wird die erste Freibadeerlaubnis erteilt. Wo man zuvor aus dem Badekarren direkt in die Ostsee steigen musste, ist es den Badegästen fortan erlaubt, in Badekleidung am Strand herumzugehen. Die gute alte Zeit ...

Intellektuelle Elite fällt zuhauf ein: Thomas Mann, Joachim Ringelnatz, George Grosz, Carl Zuckmayer, Bertholt Brecht, Erich Mühsam, Gottfried Benn, Franz Kafka, Sigmund Freud, Albert Einstein, Max Reinhardt, Heinrich George, Gustav Gründgens, Ernst Barlach, Gerhart Hauptmann, Hans Fallada. "Nirgends ist man so jung, so froh und so frei", schwärmt Asta Nielsen ausgerechnet im Jahr 1933. Die aufstrebenden UFA-Sterne sehen das genauso.

Peenemünde, am westlichen Zipfel der Insel gelegen, da wo die Peene in die Ostsee fließt, hat es irgendwie nie geschafft, in die Reihe illustrer Seebäder aufzusteigen. Die schon in Zeiten der Schwedenkriege strategische Bedeutung dieses Fleckens hielt den Tourismus in äußersten Grenzen. Der erst 23jährige Physiker und Ingenieur Wernher von Braun befindet 1935 Peenemünde als geeignet für sein Raketenforschungszentrum. Die Gegend wird zum Sperrgebiet erklärt, die Peenemünder Bevölkerung größtenteils evakuiert. Zinnowitz, der nächstgelegene Badeort, wird dem Sperrgebiet zugeschlagen. Hier quartieren sich von Braun und seine Offiziere ein, darunter auch der stellvertretende Einsatzleiter der Baugruppe und Hauptmann der Reserve Heinrich Lübke, der etliche Jahre später zum Bundespräsidenten avancieren soll. Der Badespaß geht also, versehen mit einem NAZI-Präfix, weiter. Der Raketenspaß natürlich auch. Die Arbeit ist erfolgreich. Als am 3. Oktober 1942 ein Aggregat aus Peenemünde bis an die Grenze zwischen Weltall und Erdatmosphäre vorstößt, ist der stellare Raum in unmittelbare Reichweite gerückt. Die unschuldige Zeit des Probierens und Flanierens am malerischen Ostseestrande ist jedoch vorbei, die Saison der langen Bombennächte hat begonnen. Über die Dünen hinan lärmt Grammophonmusik wie eine wilde Jagd: "Ich flieg’ zu dir, über das Meer, durch die Nacht. Und ich bin nicht allein …"

Von Braun und seine Leute ziehen um an einen weniger exponierten Ort – nahe Nordhausen im Harz, wo die SS (> Hans Kammlers Büro Sonderelbe Jasmin) bereits Vorarbeit geleistet und ein KZ eingerichtet hat, dessen Insassen Bunker- und Stollenbau vorantreiben. Die durchschnittliche Überlebensdauer gewöhnlicher Häftlinge (entgegen solchen mit speziellen Qualifikationen) beträgt zehn Tage. Baldmöglichst beginnt das Sklavenheer mit der Serienfertigung der Vergeltungswaffe. Am Ende wird man feststellen, dass bei ihrer Produktion im Berg mehr als zehnmal soviele Menschen ums Leben gekommen sind als beim Einsatz der V2.


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anagrammaschin

strandleben x 22 = <autorepeat>brennt adelsnestern brennt. bald 's nebel nebst adlern rentabel. dann erlebt 's berstende trennland 'n landsterbeball. bald strebend ernst'ren sternen stand lernt's nadel alb abends nabeltrends, and es rennt bald DNS art neben LSD – erst labend, rent blasend – trans lebend, trans an blendel sterbend</autorepeat>
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