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Erratische Beobachtungen des Psychogeografischen,
des Psychohistorischen und der Psychotopografie



Rosa Wissenschaft

Rekurrierend auf Freud, der, um seiner in Entwicklung begriffenen "Wissenschaft" eine "breite Popularität" zu verschaffen, seine Patienten in den Heurigen und Caféhäusern Wiens und des Wienerwalds einem Wirtshauspublikum vorführte, erlaubt die Jahrtausendwende einen Boom eventueller "rosa Wissenschaften" (nach Deleuze, Guattari etcetera), Grenzgänge von Wissenschaftlern, Künstlern und Ingenieuren, und befördert von einem Scharlatanismus zur Entgrenzung der Disziplinen, häufig ausgetragen vor dem Hintergrund urbaner Geselligkeit und auf dem Terrain des sogenannten Nachtlebens. Zugleich ist eine Renaissance des literarischen Salons zu verzeichnen. Andersherum treiben in Seminaren und Akademien "Popliteraten" und DJs ihr Unwesen, worauf manch ein Ästhetikprofessor zum open mike greift. In Berlin mutiert ein Diplom-Physiker zum Szene-Fotografen und zur Medienpersönlichkeit eigenen Rechts.

Anderweitig qualifiziertes Personal wird im mainstream verbrannt.


Ansicht parallax

Draußen in den Straßen der Stadt, wo sich dem Bürger der "öffentliche Raum" entblößt, agieren welche, die stellen die Sache anders vor. Verstehen anders und Anderes. Unbedingt wird denen ein Zivilist Augenblickkontakt vermeiden wollen. Die werden von der Autorität angesehen, wenn überhaupt, und vom Hochmut, Abscheu oder Desinteressse der sogenannten Mitmenschen. Die werden beschirmt – gleich einem Negativ-Radar – hinter einer Barriere sich abwendender Blicke. Die haben ihre eigenen Techniken, nicht unsichtbar zu sein.

"Wenn alle Schizophrenen zusammenstehen
haben die Ingenieure keine Macht mehr über uns!"
––M.D.Blitz


Stimmenhören an sich

Nicht alle, die Stimmen hören, sind schizophren. Akustische Halluzinationen sind zwar symptomatisch für eine schizophrene Psychose, treten aber auch bei Manien, schweren Depressionen und in Zuständen dissoziativer Provinienz auf. Bei "normalen" Menschen, d.h solchen ohne unmittelbaren Befund, kann das Stimmenhören in Extremsituationen auftreten. So berichten etwa Hochseesegler nach wochenlanger Einsamkeit in den Weiten der See von ent"sprechenden" Vorkommnissen. Amnesty International weiß von Folteropfern, die während der Folter akustisch halluzinierten, insgesamt etwa 80% der Befragten.

Die Wissenschaft hält sich mit einer endgültigen Definition des schizophrenen Stimmenhörens als akustischer Halluzination zurück, da die Grenzen zu anderen Stimmenhörphänomenen fließend sind: Sich etwa die Stimme eines geliebten Menschen vorzustellen, in den Kopf zu rufen, oder die Vorstellung von Tierstimmen, das Singen von Vögeln, das Brüllen eines Löwen, fällt nicht schwer. Kinder hören die Stimme eines verstorbenen Elternteils, die in schwierigen Situationen beratend oder beruhigend "aus dem Nichts" zu sprechen scheint. Haben nicht auch Jesus und Mohammed Stimmen gehört?

Als Naturwissenschaftler gehen wir davon aus, dass solche Stimmen aus den Hirnen der Menschen stammen, die sie hören, und nicht aus einem metaphysischen Bereich. Als Erratiker erkennen wir diese Hirne als Ort metaphysischer Bereiche. Hochtechnologische Tiefenanalysen eines schizophrenen Gehirns zeigen erhöhte Aktivitäten des motorischen Sprachzentrums und in bestimmten Teilen der Hörrinde. Gleichzeitig wird eine Unterfunktion derjenigen Hörrindenareale festgestellt, die mit der Steuerung und Bewertung von Sprechen und Hören befasst sind. Physiologisch erscheint das Stimmenhören als "inneres Sprechen", jedoch bleibt die Rückkopplung an das eigene denkende Bewusstsein blockiert. Derart "gesprochene Gedanken" werden als fremde Stimmen erlebt.

Für die Betroffenen sind die gehörten Stimmen real, sie stammen von Verstorbenen, Geistern, vom Teufel oder GOtt persönlich. Sie melden sich jederzeit, mal laut, mal leise, manchmal zu mehreren zugleich. In den allermeisten Fällen sind die Stimmen feindlich gesinnt, zensieren und kritisieren, verhöhnen und befehlen und sind deshalb meist äußerst qualvoll zu erleben.

Die Schulmedizin betrachtet es als aussichtslos, die "verrückten" Wahrnehmungen aus dem Unterbewusstsein (oder dem Jenseits) eines Patienten verstehen zu wollen. Eine Behandlung gilt als erfolgreich, wenn keine Stimmen mehr gehört werden.


Verzeichnisse der Disziplin(en) der Psychogeografie, -historie, -topologie

Die hier eingestellten Verzeichnisse erweitern und transzendieren den Begriff des Stimmenhörens.

In der > Dokumentation wilder Schriften werden Re-Produktionen innerer Verfasstheiten diverser Stimmenhörer gezeigt, die sich in mehr oder weniger kryptischen Mitteilungen niederschlagen, häufig zu finden an Orten informeller Kommunikation in den großen Städten, in Form von Plakaten, handschriftlichen Notizen, an Wände gekritzelten Nachrichten. Es gibt Graffiti, die von Verschwörungen künden, und Kreidezeichnungen der Weltformel. Diese Zusammenstellung ist zwangsläufig unvollständig. Einsendungen und Stellungnahmen sind willkommen (Email > hier oder via EIB-Wappenstempel).

In > Psycholinguale Miniaturen, Sozio-Poetik, Stimmenhören zeigt das Erratik Institut Berlin eine Sammlung tatsächlich und zufällig mitangehörter Aus- oder Ansagen, die auf unterschiedliche Arten ungewöhnlich, lustig, "verrückt" oder sonstwie von erratischem Potenzial sind, jedoch in alltaglichen Situationen von "normalen" Menschen gesprochen wurden. Auch hier gilt: Die Zusammenstellung ist unvollständig und subjektiv. Alle dokumentierten Miniaturen wurden von Mitarbeitern des Instituts mitgehört, notiert und eingereicht. Da die Zahl der Mitarbeiter begrenzt und relativ klein ist, muss es auch die Zahl der Meldungen bleiben. Das Institut kann und will nicht mit Webseiten konkurrieren, die sich ausschließlich dem Abbilden von Mitangehörtem widmen, Webseiten, wie sie seit kurzem häufiger in den entsprechenden Nachrichtenkanälen behandelt werden. Die Kategorie der Psycholingualen Miniatur existiert am Institut seit 2003. Sie entstand aus einem Trainingsprogramm für Institutsmitarbeiter, das mit dem Ziel der Wahrnehmungssteigerung und Bewusstseinschärfung in Alltagssituationen durchgeführt wurde.

Die Kategorie > Physiognomik ist drei Disziplnarien zuzuordnen: der ordentlichen > Erratischen Medienbeobachtung, der außerordentlichen > Erinnerung sowie der hier verfügten Disziplin der Psychogeografie/Psychohistorie.

In der (noch einzustellenden) Kategorie > RADIODEL werden auditive Bearbeitungen der in der Psychogeografie/Psychohistorie behandelten Sachgebiete dokumentiert.

Der > Schultheiss-Komplex zeigt exemplarisch systematische Vorgehensweise und wissenschaftliche Methodik einer erratischen Untersuchung und daraus resultierende Ergebnishaftigkeit. Der Schultheiss-Komplex ist nach der > Erratischen Hubschrauberforschung der am besten dokumentierte Bereich erratischer Forschung, mit einer entsprechenden Gewichtung innerhalb des wissenschaftlichen Betriebs.

Der > UFO-Komplex beschäftigt sich mit einem für die Erratik äußerst interessanten Themenfeld, das wie kaum ein anderes so unterschiedliche Strata wie Religion und Religiosität, Populärkultur und deren kommerzielle Niederschläge, grenzwissenschaftliche Spielräume, Physik, Astrophysik, Militär, Technologie, metaphysische Spekulation sowie selbstverständlich psychopathologisches und anderwertiges Stimmenhörertum verbindet. Die Abbildung des UFO-Komplexes in diesen Seiten ist noch keineswegs umfangreich, vollständig oder zufriedenstellend. Weiteres Material und Ergebnisse erratisch-wissenschaftlicher Forschung werden sukzessive eingestellt werden, sobald sie entsprechend aufbereitet werden konnten.

Nun bitte: Vergnügliche Wissensvermehrung allerseits!

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