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QRT

Denn das heroische Maß ist das erhabenste und feierlichste unter allen Maßen,
deshalb erträgt es auch Glossen und Metaphern besonders gut.
––Aristoteles (Motto in Drachensaat, Merve 2000)



"Mit Konradin ist der letzte männliche Namensträger der alten Konstanzer Patrizierfamilie Leiner gestorben. (...) Konradin war, wie viele seiner Vorfahren, ein Mensch, dessen Leben von Kunst, Literatur und anderen geistigen Interessen bestimmt war. In seinem schriftlichen Nachlass befinden sich, so berichten Berliner Freunde, zahllose Manuskripte seines schriftstellerischen Schaffens. (...) Mit Konradins Tod erlischt der Familienname Leiner im Mannesstamm."

Südkurier Konstanz am 29. Oktober 1996


"Qurt Leiner ist tot. Qurt war philosoph im café "M", überzeugter porschefahrer, comiczeichner, schriftsteller und schauspieler. seit september 1995 hinterließ er als verantwortlicher redakteur seine handschrift in der [030]. nichts, auch nicht die orthographie, hat den redaQteur und masseur davon abgehalten, grenzen zu überspringen und neues zu probieren. Durch diesen geist wurden innovative form unseres heftes geprägt und wir alle täglich wieder herausgefordert. er fehlt uns."

030 Berlin im Oktober 1996


"(...) Schnell merkte Qrt, daß das geisteswissenschaftliche Fundament, das er aus seiner Heimatstadt Konstanz mitgebracht hatte, den Erfordernissen eines polymorphen Urbanismus nicht standhielt. Er legte Kant und Heidegger ins Archiv und rüstete vehement auf Baudrillard, Foucault, Lacan und Virilio um, den maître penseurs der Zeit. (...)

Die Geisteswissenschaften waren zu dieser Zeit bereits zu Untoten geworden. Als es Ende der 80er zum großen Universitätsstreik kam, nahm Qrt das Messer des Diskurses auf und ernannte sich zum autonomen Dozenten, der in der berühmten Schweinemensa, einer verrotteten ASTA-Baracke der FU-Berlin, Horrorfilme vorführte. (...)

Qrt hinterließ neben den bibliographisch meist an entlegensten Orten veröffentlichten Texten mehrere Tausend Seiten Manuskripte, stapelweise Disketten, Zeichnungen, Tapes und Videos und zwei randvolle Macintosh-Festplatten, deren Ergründung weiter am Anfang steht (...)."

Tom Lamberty im Nachwort des 1999 bei MERVE erschienenen Bandes
QRT - Schlachtfelder der elektronischen Wüste


"
(...) Das Leben Konradin Leiners in Berlin erscheint wie ein Trugbild. Der letzte männliche Nachfahre einer reichen Apothekerdynastie war in Berlin bekannt unter dem Pseudonym QRT. Hier führte er die Existenz eines Dandys. Mit seinem Kleidungsstil, einem individualistischen Radical-Chic-Plagiarismus  proletarischer Jugendbewegungen, kurzgeschorenem Haupthaar, Militäroverall, Militärstiefeln, fellbezogener Lederjacke und seiner großen Vorliebe für die schwarze Romantik wirkte er wie ein Abziehbild seiner eigenen Vorstellungen vom Antibürger. Der leidenschaftliche Leser von Burroughs und Pynchon flirtete nur allzugern mit politischen Extremismen, u.a. mit dem Neonazismus, was dem Philosophiestudenten Konradin den Schimpfnamen "Fascho-Kurt" einbrachte. (...) QRT verstarb im Herbst 1996 im Alter von 31 Jahren an einer Überdosis Heroin. Ein Tatbestand, der gerne verschwiegen wird, sowohl von der Verwandtschaft als auch vom Merve Verlag, der 1999 mit QRT – Schlachtfelder der elektronischen Wüste eine posthume Reihe startete. Im Nachwort von Frank Wulf und Tom Lamberty wurden die Umstände seines Todes geflissentlich übergangen. Alle Cheap Thrills, an denen QRT sich versuchte, finden eine Erwähnung, wenn auch in blumigem Stil: 'Das gesamte mediale und figurale Pandämonium, welches er selbst im Zeitraffer durchlaufen hatte, kehrte jetzt in gesteigerter Frequenz und distanzgemindert wieder, nebst den Erwähnten: Bandleader, Biker, Computergamer, Dandys, Gastronomen, Nazis, Pol-Pot-Freaks, Porschefahrer, Rich Kids, Sadomasochisten, Stalinisten, Subproletarier, Swinger, Videoten, Verführer ...'

In der Aufzählung fehlen die Begriffe 'Dealer' und 'Junkies'.

Kurt Leiner aka QRT entpuppte sich 1995 als Stewart-Home-Fan. Als Chefredakteur des Veranstaltung-Magazins 030 ließ es sich QRT Leiner nicht nehmen, möglichst oft die von Stewart Home populär gemachten Begriffe 'Neoismus' und 'Situationismus' in seinen Lifestyle-Artikeln zu verwenden. (...) Für QRT, der zeitlebens den Traum von subversiver Medienmanipulation träumte, war dies einer der vielen schnellen Erfüllungsmomente. (...)"

Mario Mentrup in Print Identitäten, MaasMedia Berlin 2000


"Zunehmend 'beklagte er die fortschreitende Entleerung und Langeweile seines Lebens' (…) Fascho-Qrt starb an einer Überdosis Heroin. Vorher hatte er sich noch mit einer Afrikanerin scheinverheiratet, was ihm einen Porsche einbrachte. Dafür dominierten auf seiner Beerdigung afrikanische Trauerrituale. Seine Mutter und seine Tante spendeten eine Reihe teurer Gemälde, mit denen eine 'Kurt-Leimer-Gedächtnis-Stiftung' für transurbane Medienhypes finanziell ausgestattet wurde. So stirbt das gute alte Berlin weg – vorfristig."

Helmut Höge in der TAZ, 25.3.1999 (Post-Puschkinaden)


"Die Theorie des Heroischen ist die Interpretation des Mythos am Punkt des Auskristallisierens seiner Wahrheit … Der Held steht am Rand und im Wendepunkt jedes medialen Paradigmenwechsels."

QRT

Konradin Kurt Leiner a.k.a QRT, der nihlistische Intellektuelle als Szeneheld. Oma und Großtante ließen seine Tätowierungen präparieren.

Die hier rechts stehenden unterschiedlichen Schreibweisen des Pseudonyms QRT sind aus den Originaltexten übernommen.
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